Gewinnmarge Whiskydestillerien

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      Gewinnmarge Whiskydestillerien

      Liebe Whiskyfreunde,

      diese Meldung von heute schreckt auf: whiskyexperts.net/bruichladdich-verzehnfacht-gewinn/. Bei 14,2 Mio. Pfund ein Gewinn von 1,9 Mio. Pfund sind sehr beachtlich und bedeuten über 13% Gewinnmarge (sehr wahrscheinlich vor Steuern etc.). Das ist für den "Lebensmittel"-Bereich beachtlich!

      Mich würde interessieren ob es weitere Meldungen zu Gewinnen von Destillerien gibt und wie ihr das seht. Letztlich steuern wir durch die Akzeptanz der hohen Preise ja erheblich dazu bei...



      Beste Grüße,

      Andreas
      Vorstand der Churpfälzer Maltfreunde / Schottland- & Single Malt-Liebhaber (Ardbeg, Bowmore, Brora, Port Ellen, St. Magdalene u.v.m.).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Man of Skye“ ()

      Ich habe vor ca. 6 Jahren bei einem Gewinnspiel bei Bunnahabhain mal einen Standard 12 er gewonnen.
      Die Marketingabteilung hat die betriebsinterne Rechnung mit an mich geschickt. 5 Pfund die Flasche.
      Das ist dann wohl der Preis einer Flasche Bunnahabhain, der damals im Laden nicht unter 30€ zu bekommen war.
      "It doesn´t matter as long as you stay on the road" Ileach zum Thema Alkohol am Steuer ( So war es 2006)

      ragingbull schrieb:

      Wobei "Lebensmittelbereich" nicht so ganz passt.
      Es ist ein Luxus-Gut und da sind 13% nicht viel wenn man sich mal Apple und Co ansieht.

      Klar, aber denke offiziell schon unter Lebensmittel geführt. Und ein Querschnitt über andere Branchen ist ja auch schwer. Apple ist Elektronikbranche und nicht Luxusgüter, könnte man sagen. Und wenn ich sehe, was Smartphones anderer Hersteller mittlerweile kosten, würde ich Apple nicht allein als Luxus hinstellen, auch ein neues S6 Edge Plus kostet gut und gerne 700€+
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      Da gebe ich ragingbull vollkommen recht. Wir haben es hier definitiv mit einem Luxusgut zu tun, welches sich von einem Massengut/ -ware partiel doch etwas abhebt. 13 % sind sehr überspitzt gesprochen, bescheiden. Natürlich muß die Branche berücksichtigt werden, aber es gibt auch "Konsumgüter" bei denen gern einfach vom Faktor 2 gesprochen wird. Die Frage ist halt, durch welche Einflüsse und Effekte der Gewinn generiert werden konnte. Preisanpassungen alleine bezweifle ich stark, wobei natürlich die Nachfrage/ Leidensfähigkeit des Käufers eine Rolle spielt.
      Drink whenever you wish, with whomever you wish. The last to leave will be the angels who danced with the devil and won.
      ... ich stimme teilweise zu, dass bestimmte Konzerne ausgewählte Destillerien als ein Luxusprodukt präsentieren (möchten) und es entsprechend bewerben. Allen Konzernen voran macht das Moët Hennessy Louis Vuitton (MHLV) mit Ardbeg exzellent vor. Kaum noch Abfüllungen mit Altersangaben, dafür eher mittelmäßig bewertete Whiskies mit hohem Preis. Gleiches gilt auch bei der zweiten Destillerie von MHLV zu beobachten: Glenmorangie. Auch hier gibt es bei einem zweifelsohne nicht schlechten Produkt viele alterslose Abfüllungen in sehr ansprechend designten Äußerem - PR, Marketing und Design eben. Dieser Konzern platziert Whisky bewusst und gezielt als sehr hochwertiges Luxusprodukt.

      Nur ist ein Merkmal von sehr hochwertigen Luxusgegenständen oft (wenn auch nicht immer) das Handwerkliche, die Kleinstmanufaktur, die sehr arbeitsteilige Produktion durch viele Experten. Und das trifft seit (spätestens) Ende der 1980er nun auf das hochtechnologisierte Produzieren von Whisky nur noch in den seltensten Fällen zu. Daher finde ich, dass Whisky eben nicht als Luxusgut anzusehen ist, so sehr sich die Konzernmarketingstrategen von MHLV und anderer Unternehmen auch anstrengen.

      Und daher finde ich auch die Preisentwicklung bei Whisky in den letzten Jahren - in Kombination mit "Ein-Mann-Produktionsbetrieben", NAS-Abfüllungen und Kleinstflaschen bei Großflaschenpreis (siehe neulich Laphroaig) - sehr bedenklich. Es hilft leider nur eins: als Verbraucher sehr aufmerksam sein, nicht jeden Preistrend mitmachen, viele Flaschen einfach teilen und ggf. in andere Bereiche mit besserem Preis-Leistungsbereich (wie Wein, Sekt, ggf. Rum) ausweichen - so lange bis die Botschaft mal ankommt.
      Vorstand der Churpfälzer Maltfreunde / Schottland- & Single Malt-Liebhaber (Ardbeg, Bowmore, Brora, Port Ellen, St. Magdalene u.v.m.).

      Man of Skye schrieb:

      Es hilft leider nur eins: als Verbraucher sehr aufmerksam sein, nicht jeden Preistrend mitmachen, viele Flaschen einfach teilen und ggf. in andere Bereiche mit besserem Preis-Leistungsbereich (wie Wein, Sekt, ggf. Rum) ausweichen - so lange bis die Botschaft mal ankommt.


      Das funktioniert leider nicht. Siehe Supernova 2015. Das hat keinen Tag gedauert war er weg. Ein NAS für über 100€ wo man nicht mal weiß wie er schmeckt. Es hat keine Stunde nach Ausverkauf gedauert dann gab es schon die ersten Suchanfragen im Forum weil man selbst keinen bekommen hat. Zeit für ein Sample bleibt schon lange nicht mehr. Es heißt "do or die" und da es genug Leute mit Kohle gibt wird halt einfach zugeschlagen. Falls er nix ist, wird er versampelt.

      Gerade bei Ardbeg funktioniert das doch super.
      ... ich habe mal ein bisschen recherchiert: die Division "Wine and spirits" von LVMH hat laut offiziellen Unterlagen eine Gewinnmarge von 29% (2014) bzw. 33% (2013). Leider kann man die Zahlen von Ardbeg und Glenmorangie nicht direkt herauslesen, ich vermute hier ist im Vergleich zu Dom Perignon & Moet die Marge noch kleiner. Aber der Konzern arbeitet ja sehr hart daran - siehe Supernova 2015 - die Divisionsmarge zu erreichen.

      PS: ich bin auch "Ardbeg"-Member und habe bei dieser (Supernova) wie auch bei den letzten Abfüllungen darauf verzichtet durch einen eigenen Kauf den Hype mitanzuheizen. In ein paar Jahren platzt diese Blase und wir bekommen wieder gute Stöffchen für faire Preise .... :D
      Vorstand der Churpfälzer Maltfreunde / Schottland- & Single Malt-Liebhaber (Ardbeg, Bowmore, Brora, Port Ellen, St. Magdalene u.v.m.).

      Tommyknocker schrieb:

      Das eigentlich Schlimme an der Sache finde ich, dass trotz radikaler Kürzung der Range von tollen Abfüllungen mit Altersangeba (Laddie 10, PC 10 und zig anderen) auf wenige, überteuerte eher mittelmäßge NAS Qualitäten die Gewinne massiv zunehmen.

      Ich fürchte, umgekehrt wird ein Schuh daraus: Diese Maßnahmen dürften ja gerade das Ziel haben die Gewinne zu steigern.
      Doof für uns, dass diese Rechnung für den Hersteller scheinbar aufgeht, damit sinkt die Chance einer Abkehr von diesem Konzept erst mal.
      Ob diese Gewinnsteigerung allerdings nachhaltig ist im Sinne einer langfristigen Stabilität mag bezweifelt werden - zeigen wird das aber nur die Zukunft.
      Ich finde die Quelle nicht mehr wieder wo ich ´s gelesen habe.

      Produktionskosten für 1 l Alkohol liegt in Destillen im Batchverfahren bei 1 bis 2 Euro je Liter.
      Hier ist der Fasspreis noch nicht mit drin.

      Ich denke jedoch dass 1 L 20 jähriger Scotch nicht mehr als 25 € kostet.

      Bin mir sicher dass heute Unsummen für Marketing draufgehen, die sich die Konzerne über den Endpreis wiederholen.
      Ich fürchte, umgekehrt wird ein Schuh daraus: Diese Maßnahmen dürften ja gerade das Ziel haben die Gewinne zu steigern.


      Die Frage ist aber, wer diese überteuerten Abfüllungen noch kauft. Wenn hier nach guten Standards gefragt wird, kommt Bruichladdich/Port Charlotte in den Antworten nicht mal mehr unter "ferner liefen" vor.
      Sure they’ve always made NAS whiskies, but those were the cheapest ones. Like NAS–8–12–15–18–25. Not NAS–NAS–NAS–NAS–25. (Serge Valentin)

      Man of Skye schrieb:

      ggf. in andere Bereiche mit besserem Preis-Leistungsbereich (wie Wein, Sekt, ggf. Rum) ausweichen


      Iss nich persönlich gemeint, aber der Vorschlag iss in meinen Dafürhalten ja nun mal Tinnef. :D

      Wenn ich hobbyseitig Gartenbahnler wäre, käme es mir auch nicht in den Sinn auf "Carrera- Bahn" umzusatteln, nur weil dort das Preis- Leistungsverhältnis ggf. besser wäre. (Stimmts Adalbert?) :D

      Und zumindest bei mir ist es so, dass Whisky mein Hobby TROTZ des Alkohols ist... und nicht DESWEGEN. :zwinker:

      Also entweder bleibe ich bei meinem Hobby und betreibe es ggf. nicht mehr so exzessiv oder ich würde mich alternativ vermutlich einem völlig anderem Bereich verschreiben.

      Man of Skye schrieb:

      Das ist für den "Lebensmittel"-Bereich beachtlich!
      Wir können natürlich darüber diskutieren, ob dieser Bereich den Luxusgütern zuzuordnen wäre... klar ist für mich jedoch, dass der Vergleich mit dem Lebensmittelbereich auf alle Fälle hinkt.

      Ein Vergleich mit den Gewinnmargen anderer Spirituosen träfe es doch eher.

      Man of Skye schrieb:

      Bei 14,2 Mio. Pfund ein Gewinn von 1,9 Mio. Pfund sind sehr beachtlich und bedeuten über 13% Gewinnmarge (sehr wahrscheinlich vor Steuern etc.)

      Westerwälder schrieb:

      13 % sind sehr überspitzt gesprochen, bescheiden.
      Ich sehe die Wahrheit auch eher in der Aussage vom Westerwälder liegen (er sagt ja selbst, dass er es etwas überzeichnet ausgedrückt hat).

      Die Realwirtschaft steht in einem dauernden Konkurrenzkamp mit der "monetären Wirtschaft" (z. B. Aktienmärkte) um die Gelder der Investoren.

      Neben diversen anderen Faktoren ist natürlich auch die zu erwartende Rendite ein wichtiges Entscheidungskriterium.

      Wesentlich kleinere Margen als diese 13% wären nur noch bedingt interessant für Investoren, weil u. U. in anderen Bereichen höhere Renditen in kürzerer Zeit zu erreichen wären.

      seppel31 schrieb:

      Naja, diese Gewinnsteigerung resultiert durch Lagerverkäufe oder sehe ich das falsch? Das bedeutet im nächsten Jahr könnte das durchaus anders aussehen.
      :rauf: So würde ich das auch sehen. Zunächst einmal ist der Stoff lediglich raus aus dem Lager und befindet sich bei Exporteuren und Einzelhandel. Spannend wird es zu sehen, in welchem Umfange deren Erwartungen erfüllt werden. Wenn die nun eingekauften Bestände "wie Blei in den Regalen liegen bleiben" werden die nachfolgenden Abnahmemengen deutlich anders aussehen (so lange in der Vergangenheit nicht über Mindestabnahmen für einen Zeitraum X Einigung erzielt wurde. Wäre es so, käme der Knall halt lediglich verzögert.).
      Das Leben ist zu kurz für schlechten Alkohol! :slainte:

      Komm, wir essen Opa! ...Immer beachten: Satzzeichen können Leben retten!!!...


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      seppel31 schrieb:

      Naja, diese Gewinnsteigerung resultiert durch Lagerverkäufe oder sehe ich das falsch? Das bedeutet im nächsten Jahr könnte das durchaus anders aussehen. Zumal die Gewinnspanne in den Jahren davor deutlich geringer ausfiel.....


      Das wichtigste wurde vor lauter Preisdiskussion übersehen.
      Für wirklich Interessierte gibt's das Statement 2015 übrigens hier:

      Wenn man sich die Finanzen anguckt, funktionieren Whisky-Distillerien aus Sicht eines Buchhalters nicht viel anders als Versicherer.
      Der Gewinn hängt immer davon ab, wieviel stille Reserven man aus der Bilanz auflöst.
      Wenn ich ein Faß nach dem Befüllen ins Lagerhaus lege und mit 100 GBP in die Bilanz schreibe, bleibt es in der Bilanz die nächsten xx Jahre bei diesem Wert. Sobald ich es verkaufe, mache ich den fetten Gewinn; ich buche 100GBP Stock aus und mache daraus einen 5-stelligen Umsatz. So machen Versicherer das mit Aktien ebenfalls. Und diese Strategie, geliehenes Geld in Whisky anzulegen, funktioniert natürlich am besten im Moment bei niedrigen Zinsen und höheren Whiskypreis-Steigerungsraten.

      Für alle, denen das zu theoretisch ist, beschwert Euch gerne weiter über die Preise. ;-)