Ändert sich der Geschmack oder doch der Stoff oder gar beides?

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      Ändert sich der Geschmack oder doch der Stoff oder gar beides?

      Moin allerseits!

      Folgendes Szenario: Ihr geht in den Keller, holt die vor zehn Jahren eingelagerte Flasche mit dem Traumstoff, zieht den Korken und er schmeckt gar nicht mehr so traumhaft wie in der Erinnerung? Das ist mir in letzter Zeit immer wieder passiert, nicht jedes Mal, aber sicherlich mit 50% Quote. Nicht dass der ehemalige Traumstoff plötzlich zu Kackeschnaps geworden wäre, aber der ultimative Kick, den er mir vor zehn Jahren versetzt hat, der bleibt jetzt halt aus.

      Geht das nur mir so? ?(

      Grübelnde Grüße,
      pikesandmalts
      Suche: Port Ellen, Old Train Line, Fettercairn, OTL, etc

      Wir alle sind Deutschland! (Jo Gauck)

      Toleranz ist die wichtigste Tugend einer jeden Gesellschaft! (eigene Meinung)
      Nö Gunnar, das geht nicht nur Dir so. Für mich war mal der Glen Garioch 68 das höchste der Gefühle. Vor einer Weile konnte ich ihn noch einmal probieren und so richtig wollte sich die totale Begeisterung nicht mehr einstellen. Zwar immer noch ein toller Whisky, aber mir mittlerweile doch ein wenig zu trocken, sag ich mal. Die geschmacklichen Präferenzen ändern sich dann eben auch mitunter. :)
      Hi there,
      ich denke, daß sich vor allem die generelle Einstellung zum Thema whisky immer wieder ändert und sich die völlige Begeisterung nicht mehr so leicht einstellt als in den Zeiten als man noch naiv whisky gekauft und einfach getrunken hat.
      Was lernt uns das? Nicht einlagern, austrinken so lange der Traumstoff schmeckt.
      Greetings
      kallaskander
      Never water another man's whisky.

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      groensparv schrieb:

      ... außerdem muss man immer bedenken, dass der neu geköpfte Malt oft noch nicht auf seinem höchsten Niveau ist! Habe ich neulich erst wieder bemerkt, als der OP21 eine ganze Weile offen war... viele gewinnen mit der Zeit, und man hat das Optimum an Genuss in Erinnerung, nicht aber den ersten Dram.

      Ich denke mal, da pikesandmalts schon einige Jahre in dem Metier unterwegs ist, dürfte ihm dieses Phänomen durchaus vertraut sein und somit nicht das sein, was er mit seinem Post meinte.
      Wissenschaftlich steht schon lange fest, daß der Geruchs- und Geschmacksinn sich im Laufe des Alters ändern.
      Also daher ist das nix Ungewöhnliches und decke sich auch mit meiner eigenen Erfahrung. Vielleicht nicht ganz so krass, aber dennoch hatte auch ich schon die Erfahrung mit "hatte ich irgendwie besser in Erinnerung".
      Ich kann z.B. dem jungen Faßstärken Islay Gemüse derzeit nix abgewinnen, wo ich in der Vergangenheit öfters "entzückt" war.

      Ist natürlich schade, wenn man sich auf einen besonderen Genuß freut und mal wieder eine "ältere Kellerflasche" öffnet und dann feststellt ok aber mehr auch nicht. Eins ist sicher: Du bist nicht alleine :-)

      LG René
      "Bin immer auf der Suche nach älteren Bruichladdich Abfüllungen. Destilliert in den 60er, 70er Jahren und freue mich auf Angebote"
      Zudem ist ja auch der zuvor probierte Whisky oftmals "Tagesform" abhängig. Ich hatte auch schon öfters mal einen "Messedram" der mir zu Hause dann doch gar nicht mehr so zugesagt hat. Stimmung und Atmosphäre etc. kommen zu den veränderten Bedingungen wie z.B. den über die Zeit veränderten Geschmack hinzu.

      Will heißen, man muss nicht 10 Jahre warten damit so etwas passiert. Deshalb finde ich auch eine Punkteeinschätzung von "Experten" nicht immer sonderlich aussagekräftig. Sind es heute mal 91 Punkte sind es morgen vielleicht nur 89?
      Dies weiß wohl jeder zu berichten,
      Prestonfield Clynlish 73 hatte mich in Limburg ~2010 dermassen beindruckt, must have scheiterte an den Verhandlingen.
      Achmed war so nett mir ein 10cl Sample zu schicken. Zum nierderknien erneut.
      Dann 2015 in Berlin, Michiel hatte ein Flasche offen, der Zauber war weg.
      El Tren "Die Pangalaktischen Whiskygurgler"

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      "Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken." (E.Kästner)
      "Die Hoffnung ist das wichtigste Organ und daher das größte."
      Gunnar, dieses Phänomen hast du garantiert nicht exklusiv, auch wenn ich die von dir erwähnte 50%-Quote schon ganz schön happig finde.
      Zur Erklärung fallen mir zwei einigermaßen plausible Gründe ein:
      Wie schon von Rene erwähnt, ändert sich Geruch-/Geschmacksempfinden im Laufe des Lebens. Zwar wohl eher nur in Nuancen, aber immerhin.
      Zum anderen ist es wohl so, dass wir alle uns im Laufe einer langen Malt-"Karriere" zumnidest gefühlt dem Olymp immer näher sau... ähm ... bewegen. Seitdem man eine bestimmte Granatenpulle vor zehn Jahren gekauft hat, probierte man eher tausende statt hunderte anderer Whiskys, wobei man vermutlich mit zunehmender "Erfahrung" immer mehr dazu neigt, in immer höhere Regale zu greifen. Damit müsste eigentlich auch das selbst empfundene Granaten-Level munter mitsteigen, so dass die erwähnte vor zehn Jahren gekaufte Pulle nur noch "lecker" und nicht mehr Traumstoff ist..
      'Too much of anything is bad, but too much of good whisky is barely enough.' :flag2:

      Es wird eingeschenkt: meine Samplebar

      :flag:

      pikesandmalts schrieb:

      Folgendes Szenario: Ihr geht in den Keller, holt die vor zehn Jahren eingelagerte Flasche mit dem Traumstoff, zieht den Korken und er schmeckt gar nicht mehr so traumhaft wie in der Erinnerung? Das ist mir in letzter Zeit immer wieder passiert, nicht jedes Mal, aber sicherlich mit 50% Quote. Nicht dass der ehemalige Traumstoff plötzlich zu Kackeschnaps geworden wäre, aber der ultimative Kick, den er mir vor zehn Jahren versetzt hat, der bleibt jetzt halt aus.


      Also, gesetzt den Fall, dass es sich nicht um eine Flasche handelt, die bereits geöffnet war - denn bereits geöffnete Flaschen verändern sich eben doch recht stark - gibt es meiner Meinung nach zwei Faktoren:
      1. Auch originalverschlossene Flaschen können sich in 10 Jahren in der Flasche verändern. Die Frage ist, wie dicht der Korken wirklich ist, insbesondere, wenn er trocken geworden ist.
      2. 10 Jahre sind eine Menge Holz, in der du wahrscheinlich eine Menge Zeug probiert hast. Insofern hast du sicherlich inzwischen einige Dinge probiert, die NOCH besser waren und die du vor 10 Jahren nicht mehr kanntest. Inzwischen liegt deine Messlatte einfach höher. Außerdem neigt man ja dazu, die Vergangenheit zu verklären...
      Viele Grüße
      Harry
      hallo gunnar,
      klar geht das - sogar bei port ellen.
      einige absolute highlights von damals (z.b.pot still label) - heute nur noch 'nett'.

      aber auch umgekehrt:
      hatte früher auch mal notizen zu den stoffen gemacht und konnte nachlesen,
      daß ich den bowmore bouquet 66 von samaroli als ganz nett empfunden hatte, aber nix
      besonderes und heute das teil ganz anders schätze.
      ebenso mit den alten 10er laphroaigs (cinzano, et.al.): damals okay heute granate.
      I'm from Glasgow. For me every fruit is exotic (Dave Brooms Einlassung zu den Benriachs aus den 70igern)

      pikesandmalts schrieb:

      holt die vor zehn Jahren eingelagerte Flasche mit dem Traumstoff,


      Definiere bitte "Traumstoff"! :D
      .Ach watt... wir sind hier doch alle heiß wie Frittenfett: Wat waret, watte da aus´m Keller gezaubert hast? :D

      MiddleCut schrieb:

      Wissenschaftlich steht schon lange fest, daß der Geruchs- und Geschmacksinn sich im Laufe des Alters ändern.


      Also, wenn das so ist ... hier sind noch ne´Menge Leute von unter Fuffzig versammelt, denen Du eine Freude machen könntest, während sie Dir gleichzeitig die eine oder andere Enttäuschung ersparen könnten... Sozusagen eine Win- Win- Situation für beide Seiten! :ups: :D ...oder hab ich da jetzt was übersehen? :D

      Spass beiseite: Kenne ich auch und vor allem kenne ich es, ohne dass sooo ein langer Zeitraum wie bei Dir dazwischen lag).

      Einen Faktor, welchen ich für mich bislang festgemacht habe, sehe ich darin, dass es sich bei dem Drams, welche mir besonders in Erinnerung geblieben sind, oftmals um Drams aus Anbruchflaschen handelte.

      groensparv hatte zwar schon das Thema "neu geköpfte Flasche" angesprochen; in diesem Fall geht es mir jedoch wesentlich mehr um die "Biographie" der Ursprungsflasche.
      Da ist es dann vielleicht auch nicht damit getan, dem Dram aus der neuen Flasche "Zeit zum Atmen" zu lassen oder die Pulle ein paar Tage vor dem Genuß aufzuruppen. Das hilft zwar dem aktuellen Dram auf die Sprünge... macht ihn aber deswegen noch lange nicht vergleichbar mit dem Dram aus der Erinnerung.

      Ansonsten erachte ich allerdings auch das bereits Gesagte als wesentlich: die steigende Anzahl der verkosteten Traumstoffe und die veränderten Geschmacksempfindungen im Alter. So sehr uns das Letztere auch Verzweifeln läßt ...

      Das einzig Gute daran, die Jüngeren unter uns können das Problem noch ein wenig aussitzen und darauf setzen, dass dem einen oder anderem Dachs seine Kellerplörre irgendwann nicht mehr schmeckt ... by the way ... Peter und Hartmut... wie steht es mittlerweile denn um Eure Geschmacksnerven? :ups: :D :abwuschel: [Mir läuft so langsam die Zeit zum Warten davon... :D :D :D ]
      Das Leben ist zu kurz für schlechten Alkohol! :slainte:

      Komm, wir essen Opa! ...Immer beachten: Satzzeichen können Leben retten!!!...


      Hier geht´s zu meiner Sample- Bar

      micheluzzo schrieb:

      aber auch umgekehrt:
      damals okay heute granate


      Das wird ja immer schlimmer! Damals okay, heute Granate, heißt in meinem Fall: Damals nicht gekauft, heute nicht gehabt! :O Erschütternd!

      Und zum Thema Momentaufnahme: Es geht schon jeweils um ganze Flaschen, nicht um einzelne Drams oder Samples. Ich habe also vor 10 Jahren (nagelt mich jetzt nicht auf den Tag fest) die ganze Flasche getrunken und mache es jetzt genauso. Es sind also alle Stadien der offenen Flasche dabei.

      micheluzzo schrieb:

      klar geht das - sogar bei port ellen.


      Hier endlich mal ein Lichtblick: Für meine geliebten Dark Sherry (manche würden sagen, meine Paxarette-) PEs gilt das gottlob nicht. Die sind und bleiben meine absoluten Traumstoffe! :schlürf:

      Beste Grüße,
      pikesandmalts
      Suche: Port Ellen, Old Train Line, Fettercairn, OTL, etc

      Wir alle sind Deutschland! (Jo Gauck)

      Toleranz ist die wichtigste Tugend einer jeden Gesellschaft! (eigene Meinung)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „pikesandmalts“ ()

      Oje, wenn man sich nicht mal auf die alten Flaschen verlassen kann, was bleibt einem dann?

      Natürlich kann nach 10 Jahren mit den Whiskyflaschen und ihrem Inhalt so einiges geschehen, aber das würde man dann doch krasser schmecken.

      Es ist wie im Leben, die Erinnerungen trüben so manchmal, und die Erwartung gibt einem dann im Nebel den Rest.
      Immer schön Dram bleiben

      Mr.Mooc schrieb:

      Das einzig Gute daran, die Jüngeren unter uns können das Problem noch ein wenig aussitzen und darauf setzen, dass dem einen oder anderem Dachs seine Kellerplörre irgendwann nicht mehr schmeckt ... by the way ... Peter und Hartmut... wie steht es mittlerweile denn um Eure Geschmacksnerven? [Mir läuft so langsam die Zeit zum Warten davon... ]

      Danke der Nachfrage, bislang kann ich mich nicht beklagen. Und sollten alle Stricke reißen, dann kann ich ja z. B. meinen 10er Laphi unblended immer noch inne Cola kippen. :prost:

      Übrigens, habe ich immer noch den Link zu Louis Vuitton mein Lieber. :mata:
      Tja mein lieber Dirk so isses nu ma. Mit zu nehmendem Alter lassen Geschmacks und Geruchssinn nach. Das heißt jetzt nicht das mir Whisky nicht mehr schmeckt sondern nur das ich für die Drams für welche ich früher einige Sekunden brauchte heute mehr Zeit zum aufdröseln benötige.
      Traumstoff ? Dank Mara Keller und der Anzahl an Traumstoffen ist die Erinnerung an einzelne Abfüllungen ziemlich verblasst. Nichts desto trotz sind meine Lieblinge von vor 10 Jahren mir immer noch lieber als die aktuellen Abfüllungen.
      Und mein 49er Strathisla schmeckt mir immer noch wie 2006. Feststellen muss ich allerdings das mir meine fetten Sherry Teile z.B. Glendronach oder Glenfarclas aus den 70ern wesentlich trockener vorkommen. Tut dem Genuss allerdings keinen Abbruch.
      Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert