Die beliebtesten Sprüche sind die Ansprüche. [Erhard H. Bellermann]

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      Die beliebtesten Sprüche sind die Ansprüche. [Erhard H. Bellermann]



      Anspruch statt Masse - 8cl statt 8 Flaschen?


      Eine Veränderung die ich über die letzten 20 Jahre gemacht habe in Sachen Whisky
      beschäftigt sich nicht mit NAS, Fässern oder Produktionsoptimierung.
      Nein, sie beschäftigt sich mit meinen Gewohnheiten...
      'Too much of anything is bad, but too much of good whisky is barely enough.'



      Man beginnt seine Leidenschaft mit Malt durch den Kauf von ganzen Flaschen. Gerade diese Woche habe ich festgestellt, dass nicht nur ich bereit war den Gegenwert von 8 Großflaschen trinkbaren Malts für lediglich 8 cl auszugeben. Spinne ich oder ändern sich die Schwerpunkt?
      Eine Frage die für mich ganz klar zu beantworten ist. Wo ich mich vor langer Zeit des Abends mich gerne mal hingesssen habe und 2-4 je 3-4 cl aus dem Bestand genossen habe. Entspannt ohne zu analysieren und einfach nur weil es schmeckte und meiner Mentalität entsprach mich dem Genuss hinzugeben.



      Heute trinke ich entweder mit Freunden in trauter Runde auch mal 12 Dram a 1 cl. Aber ansonsten auch mal drei Woche nichts. Wenn ich mich aber dann hinsetze suche ich weiter den perfekten Dram. Suche ich weiter die neuen Aromen die ich so noch nie im Glas hatte. Suche ich das Detail das ich so noch nie in der Kombination im Glas hatte. Genieße ich lieber am Abend 1x 2 cl in 4 Stunden als 4x 2cl in 1er Stunde. Die gleichen Zahlen aber ein anderes Ergebnis. Lieber ein klatres Lächeln im Gesicht als ein vernebeltes Hirnchen.

      Muss das teuer sein ? Nein, aber mir ist das Risiko zu groß, das ich bei einem Dram für 2,- € für 5 cl schon wieder 4 x 1 cl probieren muss um den gesuchten Genuß zu finden. Und was mache ich mit den restlichen, na sagen wir 15 cl die übrig sind. Meine Living Bottle platz so schon aus allen Nähten. Was habe ich am Ende gespart ? Und überhaupt ... will ich sparen ? Oder will ich den Eindruck für die Ewigkeit. One day - Reckoning Song ... kennt ihr Julia Engelmann ?

      Eines Tages, Baby,
      Da werden wir alt sein,
      Ohh, Baby werden wir alt sein,
      Und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.
      Ich - Ich bin der Meister der Streiche, wenns um Selbstbetrug geht,
      bin ein Kleinkind vom Feinsten, wenn ich vor Single Malt steh'.
      Bin ein entschleunigtes Teilchen,
      kann auf Kleinstem was reissen, lass' mich begeistern für Leichtsinn, wenn ein andrer ihn lebt.

      Und ich denke zu viel nach.
      Ich warte zu viel ab.
      Ich nehme mir zu viel vor und ich mach' davon zu wenig,
      Ich halt' mich zu selten zurück,
      ich zweifel' alle Ardbegs an, ich wäre gerne klug — allein das ist ziemlich dämlich.
      Ich würd' gern so vieles probieren,
      aber bleibe meistens bei Mortlach
      Ich würd' gern so vieles tun, meine Liste der Sample is so lang, aber ich werd' eh nie alles schaffen,
      also fang' ich gar nicht unten an.

      Stattdessen häng' ich nicht planlos vorm nächsten Speysider,
      wart' bloß auf den nächsten NAS
      Und mein Leben ist kein Wartezimmer — der Sensenmann ruft mich eines Tages auf.
      Mein Dopamin das spar' ich immer, und genieße stattdessen
      und eines Tages, Baby,
      da werde ich alt sein,
      Ohh, Baby werde ich alt sein
      und an all die Geschichten denken, die ich hätte erzählen können wenn ich den Dram genoßen hätte

      Und du?
      Du murmelst jedes Jahr neu die wieder gleichen Vorsätze treu in dein Glencairn
      und ende Dezember stellst du fest, dass du recht hast wenn du sagst, dass du sie dieses Jahr schon wieder mehr Samples und Flaschen hast.
      Dabei sollte für dich 2017 das erste Jahr vom Rest deines Lebens werden,
      du wolltest Bestände abbauen,
      schneller F5 drücken,
      öfter einen ausgeben, mal deine Träume im Glas haben,
      mal Malt Yearbook lesen, für mehr Smalltalk, Allgemeinwissen, aber,
      so wie jedes Jahr, obwohl du nicht damit gerechnet hast, kam dir mal wieder dieser Ardbeg dazwischen.

      Und eines Tages, Baby,
      da werden wir alt sein,
      Ohh, Baby werden wir alt sein,
      Und an all die Malts denken, die wir hätten trinken können.
      Und die Geschichten, die wir dann statt dessen erzählen, werden traurige Konjunktive sein wie:
      Einmal habe ich fast einen Black Bowmore getrunken
      und hätte fast die Local Barleys im Glas gehabt,
      und einmal wär' ich fast bis die Wolken wieder Lila war'n vor einem 68er Bowmore gesessen
      und
      fast, fast hätten wir uns mal einen Vorkiegsmalt eingeschenkt und hätten gesehen,
      sie sind nicht die gleichen, und dann hätten wir uns fast gesagt, wie geil das Zeug ist – Werden wir sagen

      Und das wir bloß faul und feige waren, werden wir verschweigen
      und uns heimlich wünschen noch ein bisschen hier zu bleiben,
      wenn wir dann alt sind und unsere Nase schlapp — und das wird sowieso passieren — dann erst werden wir kapieren,
      wir hatten nie was zu verlieren,
      denn die Malts, die wir trinken wollen, die könn' wir selber wählen, also
      lass uns doch Malts trinken, die wir später gern erzählen,
      lass uns nachts lange wachbleiben, auf den höchste Gipfel des Genusses steigen,
      lachend und vom Aroma die allertollsten Lieder singen.
      Lass uns
      Feste mit Laphroigs schmeißen, sehn wie sie zu Boden neigen und die
      gefall'nen Feste mit White Horse feiern, bis die Wolken wieder lila sind.
      Und lass mal an uns selber glauben,
      ist mir egal ob das verrückt ist, und wer genau kuckt sieht, dass Malt auch bloß ein Anagramm von Glück ist.
      Und wer immer wir auch waren,
      lass mal trinken was wir sein wolln.
      Wir haben schon viel zu lang' gewartet, lass mal 'nen Dram vergolden.
      Der Sinn des Lebens ist genießen. - Das hat ein Genießer gesagt.
      Let’s try the malt this night - Das hat schon rednose gesagt
      lass uns jetzt schon Gutes kaufen, damit wir später Gutes ernten.
      Lass uns alles tun weil wir können und nicht müssen,
      Weil jetzt sind wir jung und lebendig und das soll ruhig jeder wissen
      und unsre Zeit die geht vorbei.
      Das wird sowieso passieren,
      und bis dahin sind wir frei,
      und es gibt nichts zu verlieren.
      Lass uns uns mal demaskieren und dann seh'n wir sind die Gleichen, und dann
      könn' wir uns ruhig sagen, dass uns ein Malt viel bedeuten,
      denn die Malts, die wir trinken wollen, die können wir selber wählen.

      Also: Los!
      Trinken wir Drams, von denen wir später gern erzählen!
      Und eines Tages, Baby,
      da werden wir alt sein,
      Ohh, Baby werden wir alt sein,
      Und an all die Malts denken, die für immer unsre sind.

      ___Mortlach.de

      ____ „Kühner als das Unbekannte zu erforschen, kann es sein, das Bekannte zu bezweifeln.“ Alexander von Humboldt

      Wir alle seins Brüder,
      Wir alle seins gleich!
      Mensch Rednose... vielen vielen Dank für´s Mitnehmen auf diese kleine philosophische Reise! :abwuschel:

      Das hat gut getan!

      Ich kenne Julia Engelmann und den Ursprungstext... aber so ... gewinnt es (vor unserem gemeinsamen Hintergrund) noch ein Stück.

      Dir noch einen entspannten Restsonntag,
      Lieben Gruß,
      Dirk
      Das Leben ist zu kurz für schlechten Alkohol! :slainte:

      Komm, wir essen Opa! ...Immer beachten: Satzzeichen können Leben retten!!!...


      Hier geht´s zu meiner Sample- Bar
      gut auf den Punkt gebracht, Herr Rotnase. Das ist allerdings für mich und viele andere hier ein langer Weg, der sich aber lohnt. Hier kann man dann tatsächlich sagen, dass der Weg das Ziel ist und ich wähne mich seit ein paar Jahren auf diesem Weg. Bis zum Ziel ist es aber noch ein ganzes Stück, da dieser immer mit diesen verdammten "Ardbegs" gepflastert ist aber mittlerweile hebe ich nicht mehr jeden auf - sonst komme ich ja nicht weiter.
      "Realität ist eine Illusion, die sich durch Mangel an Alkohol einstellt" - Udo Lindenberg
      ....... gut., dass der werte Herr nicht Ballermann heißt, sonst wäre das hier wohl das falsche Forum ..... :ups:

      Im übrigen bin ich da sehr bei Martin. Die Ardbegs sind (fast alle) mehr oder weniger in die Geschichte eingegangen.
      Auch bei mir ist der Weg das Ziel, von dem ich wohl noch meilenweit entfernt bin und es wahrscheinlich nicht/nie erreichen werde ....
      Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende
      Woody Allen
      Philosophisch-inhaltlich hast du mich abgehängt, ich kenne Julia Engelmann und diesen Text nicht. Aber ansonsten bin ich da bei dir, Änderungen meiner Gewohnheiten in der Art konnte ich auch feststellen. Bei mir ging es auch etwas schneller als 20 Jahre, aber nicht in dem Sinne, dass der Prozess abgeschlossen wäre, sondern weil meine Unzufriedenheit mit der Entwicklung der Whiskybranche mindestens genau so stark dazu beigetragen hat wie meine persönlichen Gewohnheiten :)
      Natürlich bin ich, wie die meisten hier, Jäger nach dem, was mir schmeckt. Ob ich das jedoch in der 3000€ Flasche finde oder in 80€ Buddel weis ich immer erst, wenn ich´s getrunken habe. Für mich ist da eher die Frage, mach ich es mit, daß jemand 3k für ne Flasche aufruft und befeuere den Hype mit? Auf der anderen Seite bin ich schon neugierig wie früher der Schnaps geschmeckt hat und finde altes Zeugs, daß mir schon ordentlich den Gaumen kitzelt. Ich halte mir da mal alle Optionen offen, da ich gemerkt habe, das viele Mütter schöne Töchter haben. Schließlich hat mann als Kurpfälzer ja einem prominenten Vorbild nachzueifern!
      WARNHINWEIS: Achtung! Lesen gefährdet die Dummheit!

      HASTV GENARRET VND ZV HOCH GEFAHRN VND BOSES FVRGEHAT SO LEGE DIE HAND VFS MAVL VND BITTE GOTT VMB GNAD ( an einem Haus in Braunfels)

      Statt eines Prachett mal einen Streich: Trainer Christian Streich vom SC Freiburg und die MEGA-PERFORMANCE - YouTube .
      Ich finde das so trocken...
      Kann es sein, mein Freund, daß Du die Engelmann´sche Geschichte auch bereits von ihrem anderen Ende her erzählst?!?! :smoke:

      "Und eines Tages, Baby,
      da werden wir alt sein,
      Ohh, Baby werden wir alt sein,
      Und an all die Malts denken, die für immer unsre sind."
      Meine Top 3 - Whisky´s:
      Macallan 1965/2008, Fino Sherry Butt 2114 (484 Bottles) 54,1 % Scottish Liqueur Centre "Cárn Mór"
      Glenglassaugh 1972/------- Cask 2891, 59,4 % Fass-Sample (Andrea Caminneci)
      Tamdhu 1961/2000, 40,0 % Gordon & MacPhail "Rare old"



      Mitglied bei "Diem No. 2" :prost2:
      Sehr schön, Markus. Der Ausgangstext gefällt mir schon sehr gut und Deine Version spiegelt eine spannende Malthead Entwicklung wieder, die ich gut nachfühlen kann. Was den Genuss angeht, bin ich bei Dir, auch wenn ich noch immer das Gute und gleichzeitig Bezahlbare im hier und jetzt suche. Nadel im Heuhaufen zwar, doch nicht alles war früher besser.

      galgenfisch schrieb:

      ... auch wenn ich noch immer das Gute und gleichzeitig Bezahlbare im hier und jetzt suche. Nadel im Heuhaufen zwar, doch nicht alles war früher besser.

      Sehe ich mittlerweile genau so. Und natürlich, was ich im Keller habe, wird geso...trunken. :schlürf: Und eingentlich brauche ja für die nächsten Jahre nichts zu kaufen....

      Aber ich habe für mich feststellen müssen, dass es "legendäre" Stoffe viel seltener gibt, als man bei all dem Hype heutzutage denken könnte: Allzuoft fand ich, dass "legendäre", alte Abfüllungen durch die lange Langerzeit erheblich gelitten haben. Schon die Tatsache, dass sich ein vergleichbarer OBF in den Flaschen findet, ist traurig, weil dieser ja nichts mehr mit dem ursprünglichen Schnapps zu tun hat. Und je stärker der OBF wird, desto weniger individuell ist der Stoff. Dies und die - trotzdem - gallopierende Preisentwicklung lassen mich guten Gewissens viel Geld einsparen. Und um mich gegen zu hohe geschmackliche Erwartungen zu schützen, finde ich Blindtastings ganz sinnvoll. Dank Dir Gérard/Geniesser für deine Raritätenblindflüge!

      Und nun zum Thema Ardbeg: Wenn ich einen typischen Ardbeg genießen will, dann kauf ich mir einen 10yo im Supermarkt. (Aktuellen) Ardbeg zu "jagen" kann sich m. Ansicht nach nur lohnen, wenn man sich Gewinnabsichten dabei ausrechnet. :ups: (Gilt nicht für 72er, 73er, 74er OMC Ardbegs! Dafür würde ich sogar einen VanWinkle Familiy Reserve Rye noch ohne www-Adresse tauschen. Wer würde wohl so blöd sein ... )

      Sorry falls Ihr das anders seht. Aber nach dieser Beichte gehts mir besser. :abwuschel:

      Danke Markus für dieses Stück Poesie!

      Edit: Zur Verdeutlichung: Sestante Bowie 1971 18y 57,3% für sehr, sehr viele Taler - das ist genau das, was ich meine. Aber bitte lieber Teiler, nicht persönlich nehmen....
      Viele Grüße

      Martin

      Domtrinkknabe! Und zwar mit Absicht. ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „maaatin“ ()

      ... die aufgeworfene Themenstellung ist spannend! Lieber Geld in 4 * 2cl anstatt in 8 Flaschen investieren? Ich sage ja! So habe ich mich beispielsweise den beiden aktuellen Bowmore-FTs 1965 und 1966 beteiligt was für 2cl jeweils um die 80 € kostet. Dafür hätte es locker eine 2017er Abfüllung gegeben - jeweils.

      Ich liebe aber die alten, die vergangenen, die fast "mythischen" Abfüllungen der 1940 bis 1970er Jahre. "Bottled history" eben. Ich sitze dann andächtig vor dem Dram - manchmal wird er mit einem guten Whiskyfreund geteilt - und man genießt die alten Schätze und taucht in die Zeit ein...

      Ich bin aber auch ein sehr selten trinkender Genießer und da geht für mich Qualität klar vor Quantität. Für jemanden der täglich Drams genießt, macht das wohl eher keinen Sinn. Finanziell schon gar nicht. ... wie gesagt - sehr spannendes Thema!


      PS: zur aktuellen FT des 71er Bowmore Sestante sei gesagt, dass ich Anfang 2017 den 72er OB 21y Bowmore geteilt habe (94 P. WB) - für den EK von 1.250 € - und mich damals fast für den Preis entschuldigt habe. Wahnsinn was derzeit auf dem Markt passiert ... ist aber ein Beleg für die Tendenz von "8 cl statt 8 Flaschen ...".
      Vorstand der Churpfälzer Maltfreunde / Schottland- & Single Malt-Liebhaber (Ardbeg, Bowmore, Brora, Port Ellen, St. Magdalene u.v.m.).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Man of Skye“ ()

      Schöne vered(ng)elt Markus
      Ja auch das Orginal habe ich x-mal gehört.



      Aber maaatin, dass nehme ich Dir in keinsterweise krumm.
      Ich biete an und zwinge keinen! Es ist nun mal einer meiner Träume, vor dem altwerden :zwinker: Obwohl ich ihn, oder gerade darum, ihn schon im Glas hatte :lechz: Wäre die Geldkatze prall, würde ich ihn alleine trinken, aber halt das ist noch nie meine Sache gewesen.

      maaatin schrieb:

      Edit: Zur Verdeutlichung: Sestante Bowie 1971 18y 57,3% für sehr, sehr viele Taler - das ist genau das, was ich meine. Aber bitte lieber Teiler, nicht persönlich nehmen....

      El Tren "Die Pangalaktischen Whiskygurgler"

      FT - Theater: z.Z geschlossen
      Lounge und Bar geöffnet
      "Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken." (E.Kästner)
      "Die Hoffnung ist das wichtigste Organ und daher das größte."