Schottlands Westküste: Skye - Morar - Moidart - Ardgour - Ardnamurchan - Mull

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      Schottlands Westküste: Skye - Morar - Moidart - Ardgour - Ardnamurchan - Mull

      Hallo zusammen,

      ich habe ja vor einigen Monaten in meinen Vorbereitungsfaden für die vergangene Schottlandreise im April / Mai geschrieben, dass ich euch zu gegebener Zeit einen ausführlichen Reisebericht schreibe. Tada:


      Schottlands Westküste

      Skye - Morar - Moidart - Ardgour - Ardnamurchan und Mull

      20.04.2018 - 13.05.2018

      Ich zeige euch ein paar schöne Fotos, berichte von Tagestouren und Spaziergängen, ein paar Ausflügen zu Leuchttürmen und Destillerien und vom alltäglichen Leben im Tipizelt mit einer knapp 2 jährigen. Der Urlaub war im Großen und Ganzen schön, aber auch sehr anstrengend. Das Wetter an Schottlands Westküste hat uns bis auf Schnee (dafür auch öfters Hagel) alles gegeben. Was sich bei den vergangenen Verhältnissen hier in Deutschland kaum vorstellbar liest, es war kalt Ende April in Schottland…

      Die Anreise erfolgt erstmalig mit dem eigenen PKW und der Fähre von Berlin über Amsterdam nach Newcastle und weiter an die Westküste. Die Karre samt Dachbox bis unters Dach beladen, liegt doch ganz schön in den Federn. Den nächsten großen Urlaub werden wir zu viert verbringen, da werden wir uns wohl nach einem neuen treuen aber größerem Gefährten umsehen müssen.

      Bei bis zu 28°C Außentemperatur und einer (frisch gewarteten aber) nicht funktionierenden Klimaanlage gestalten sich An- und Abreise von / nach Amsterdam recht unangenehm. Auf den Fährfahrten hat Sina viel Spaß, das Bälleparadies, die langen Gänge, überall Wasser wenn man aus dem Fenster schaut! Überhaupt findet sie „Schiff fahren“ mittlerweile echt klasse.In Edinburgh verbringen wir zwei Nächte eh der wirklich schöne Teil des Urlaubs beginnt. Hier besuchen wir den Botanischen Garten und kaufen noch ein paar Goodies wie Gummistiefel und Wanderkarten ein.Weiter wird es dann nach Skye gehen, von dort auf eine Campsite südlich von Morar und abschließend nach Sunart. Nach Mull werden wir anders als geplant nur zwei Tage übersetzen, verbringen die Zeit hier aber nur im Auto bzw. in Tobermory.

      Auf der Hinfahrt genießen wir den Luxus einer Commodore Kabine, also viel Platz, WiFI, Getränken incl etc. Das Abendbuffet kann vor allem eins: viel. So richtig schmecken tut hier aber keine der gefühlt 500 verschiedenen Hauptspeisen....


      Sina mit Maskottchen

      in der Sonne, noch in Amsterdam

      los geht Sinas erste Bootsfahrt

      In Edinburgh habe ich leider keine Bilder geschossen, hoffentlich kann ich hier irgendwann von Susi welche aus dem Botanischen Garten nachreichen. In Edinburgh haben wir noch zwei Tage klasse Wetter, pünktlich mit unserem Umzug nach Skye verschlechtert es sich aber deutlich.
      Erster Negativpunkt für Schottlandurlaub mit Kleinkind: Außerhalb Edinburghs sieht es selbst in Ft.William verdammt schlecht aus mit Kinderspielplätzen. Auf unserem Weg nach Skye als die Stimmung im Auto krass am kippen ist, kommen wir zum Glück in Spean Bridge an einem Playground vorbei!


      mit Sicherheit sind wir an diesem Tag die einzigen Besucher des Spielplatzes... Egal, hauptsache "kaukeln"
      Isle of Skye

      Auf Skye steuern wir die Campsite in Uig an. Eigentlich wollen wir bei Portree nächtigen, entscheiden uns aber aufgrund der Lage für Uig. Hier werden wir die nächsten 4 Nächte unser neu erworbenes Eureka Lakota aufstellen und zu unseren kleinen Abenteuern aufbrechen. Die Campsite ist klasse gelegen, die Facilities sehr einfach, der Platz allerdings ziemlich abfallend. P/L in Summe ist gegeben, wirklich empfehlenswert ist allerdings anders.

      Als ich unser Zelt aufstelle achte ich zwar auf geraden Untergrund für die Schlafkabine, aber nicht darauf dass wir generell in einer Mulde stehen. Die folgenden Tage wird es immer wieder viel regnen und das Zelt steht quasi auf einer Blase…
      Zum Zelt: Wir haben im November das Eureka Lakota gekauft, ein riesiges Tipizelt aus „Technical Cotton“, also einem Baumwoll Polyester Mischgewebe. Wie sich das Zelt im Alltag auf dieser Reise geschlagen hat, werde ich zum Ende des Berichts eruieren.



      Nachdem Uig, das urgemütliche Teahouse und die Skye Brewery besucht sind, ist der erste Tag eigentlich auch schon rum. In der Skye Brewery ist das Bier übrigens um einiges teurer als im Supermarkt in Portree, dafür ist die Auswahl größer. Mega lecker und eine glasklare Empfehlung: „Cuillin Beast“, das Mehr an Alkohol trägt unheimlich zum Geschmack bei!



      Nach Sinas Mittagsschlaf unternehmen wir dennoch die erste kleine Wanderung, eher ein Spaziergang. Dieser führt uns ins Fairy Glen! Knapp außerhalb von Uig gelegen mit dem Auto schnell erreicht, zeigt sich auch hier, dass bereits Ende April Skye kaum „Vacancies“ mehr frei hat. Obwohl das Wetter an diesem Tag nicht so pralle ist, werden die sanften Hänge und das Castle Ewen von unzähligen Touristen besucht. Wir parken weiter vorne und erhöhen somit unseren Tageskilometerzähler von 2km auf immerhin 3,5km.

      Am kleinen Loch unterhalb des Castles steigen wir auf zu der Erhöhung die Castle Ewen genannt wird. Von Osten kommt sogar für 20 Meter Ridgewalking Feeling auf, nachdem man das Corrie mit 1000000 Steinmännchen und einigen kunstvollen Installationen durchquert hat. Susi und Sina bleiben zuerst am Corrie und halten es wie die anderen Touristen – Sie bauen Steinmännchen. Sie steigen dann sogar noch gemeinsam zu meiner kleinen Ridge auf. Ich versuche derweil ein menschenleeres Foto auf die Reihe zu bekommen. Nicht unmöglich, aber doch ein zeitraubendes Unterfangen. ;-)
      Zurück laufen wir eine Schleife Richtung Osten an weiteren Schafen vorbei, zurück zum Auto.


















      Am nächsten Tag fahren wir Richtung Duirinish Halbinsel. Eigentlich wollen wir heute nur Sightseeing machen und das Dunvegan Castle nebst Garten besichtigen, landen dann aber nach einem klasse Mittagessen (Muscheln, Crevetten und Fritten) am Longstay Parkplatz Dunvegans am Neist Point – Skyes westlichstem Punkt.

      Ich steige bei starkem Regen am Parkplatz beim Neist Point aus und kämpfe mich gegen den starken Wind und 1000000 Stecknadeln an den Klippen entlang, um hier den klassischen „Neist Point Blick“ zu erhaschen.


      der klassische Neist Point Blick ;-)

      Zurück am Auto entscheidet sich Susi ebenfalls für den kleinen Fotostop und als sie wieder zurück am Auto ist, reißt auf einmal der Himmel auf! Also steigen wir doch zum Neist Point Lighthouse ab. :D




      warten auf Mama

      Sina steigt fast die kompletten Stufen selbst hinab, entdeckt am Wegesrand immer wieder ein kleines Rinnsal, welches selbstverständlich mit Steinen gefüllt werden muss. Auf den grünen Flächen grasen Schafe samt „Babybabbs“ - Lämmchen. Dieses Wort werden wir bestimmt mit einigen weiteren urslaubsspezifischen neugelernten (Wasserfall, Fluss, wandern!, nur um die wichtigsten zu nennen) einige hundert male in diesem Urlaub hören. ;-)




      Das Lighthouse

      samt Nebelhorn

      Sinchen hat Spaß!

      Nachdem der Leuchtturm umrundet ist, laufe ich noch die kleine Anhöhe auf halber Strecke zwischen Lighthouse und Parkplatz hinauf, eh es wieder zurück zum Auto geht.



      Auf der Rückfahrt Richtung Uig entdecke ich tatsächlich ausgestochene Torfziegel am Wegesrand liegen. :wohoo:

      Am nächsten Tag plane ich eigentlich eine Halbtagestour alleine ohne die Mädels. Als Ziel habe ich mir eigentlich den Storr ausgesucht, den höchsten Gipfel der Trotternish Halbinsel, in 4h locker zu erwandern. Aber auch die Runde um den Quiraing interessiert mich sehr! Morgens regnet es und der Spaziergang am Neist Point samt dem fröhlich quickenden Kind hat mir so viel Spaß bereitet, dass ich meine Solopläne ad acta lege und ich mit den Mädels gemeinsam aufbreche.

      So richtig wissen wir noch nicht was wir konkret machen wollen, fahren erst einmal los und wollen uns treiben lassen. Von Uig geht es zum Quiraing. Hier regnet und windet es noch deutlich unangenehmer als in Uig. Trotzdem ist hier schon wieder Jahrmarkt! Irre was hier auf Skye los ist, das kenne ich nun wirklich nicht von meinen anderen Schottland Touren! Eins zwei Fotos und dann schnell weg hier.


      unterhalb des Carparks des Quiraing fotografiert

      Als wir den Old Man of Storr erreichen hört es auf zu regnen. Der Himmel sieht in Summe auch deutlich freundlicher als noch am Quiraing aus, also wagen wir trotz der vielen Fahrzeuge links und rechts der Straße den Aufstieg.
      Sina wasserfest verpackt und die Kraxe gebuckelt laufen wir los. Sie freut sich über die vielen Pfützen die den Weg säumen. Natürlich muss JEDE Pfütze mehrmals durchschritten werden und natürlich auch Steine hinein geworfen werden.




      "wandern wandern!"

      und Steinchen schmeißen

      Da von Süden ziemlich fiese dunkle Wolken aufziehen, kommt Sina in die Kraxe und wir sehen zu unsere Wanderung etwas zu beschleunigen. Wir umrunden den Old Man und klatschen nicht bloß “The Needle“ ab, wie es die meisten anderen Touris machen.



      Interessanterweise sind wir hier beinahe wieder ganz alleine und es kommt tatsächlich wieder gewohntes Schottlandfeeling auf. Viele der geneigten Wanderer verpassen echt etwas, wenn sie nur in Richtung Nadel laufen und die Umrundung um den Old Man auslassen... Sieht schon beeindruckend aus, wenn man da ins Loch guckt. Sina bekommt von alldem nichts weiter mit, da sie seelenruhig hinten in der Kraxe schläft. ;-) Die schwarzen Wolken ziehen zum Glück an uns vorbei und wir bekommen wenige Minuten vor erreichen unseres Autos nur ein paar Ausläufertropfen ab.





      Nach dieser Runde fahren wir noch nach Portree um auch mal hier gewesen zu sein. Am Hafen flitzt Sina wieder wie gewohnt durch alle Pfützen, eh wir ein schnuckeliges Café aufsuchen um Scones zu essen.


      Die bunten Häuser von Portrees Hafenpromenade konnte ich irgendwie nicht so recht ins richtige Licht rücken. Talisker aber geht immer! (Nebenbei beachtet bitte die stattliche Araukarie im Hintergrund!)

      mächtig
      Super Bericht bisher! Wir hatten im Sommer auch nicht schlecht gestaunt, als unsere Dreijährige wie von der Tarantel gestochen zum Neist Point Lighthouse geflitzt ist (wo sonst ja eher faul, keine Lust und so). Genau solche Bilder von der Treppe hab ich auch vor Augen...!Und die Spielplatzfrage ist tatsächlich nicht zu unterschätzen - da hatten wir auch so eine Situation, wo wir mittendrin am späten Nachmittag, wo die Geduld immer kleiner wurde, ich aber im Augenwinkel einen Playground erspäht hatte, den wir dann gleich für ein Picknick nutzen konnten (Spar war um die Ecke). Sonst haben wir viel mehr Schlösser abgeklappert, wo ja oft ein Spielplatz dabei ist.
      Schottland muss man mit so kleinen Kindern echt ausnutzen, solange sie noch Bock auf Matschepfützen und Buddelhosen haben :-)
      Hallo Sven,

      schöner Bericht und Bilder.

      Hinsichtlich der Spielplätze gebe ich dir grundsätzlich recht, da kann es schon mal schwierig werden.
      Am Besten schaut man schon mal vorher was wo geht.

      Sehr schöne Spielplätze haben wir z. B. in Roslin, Brechin, Crieft, Campbeltown und Lochgilphead gefunden, zugegeben, die lagen nicht gerade auf deinem Weg...
      Nee, die lagen tatsächlich nicht auf unserer Route. Wir haben im Vorfeld der Reise schon damit gerechnet, dass Spielplätze rar sind... Aber so wenige?! Sina hats auch überlebt, bzw. wenns dann mal ne Schaukel gab, es um so ausgiebiger genossen. :rauf:

      und weiter gehts:

      Da wir die gesamte Reiseplanung flexibel gestalten, beschließen wir die Isle of Skye einen Tag früher als ursprünglich geplant zu verlassen, um nach hinten raus ein weiteres Reiseziel anzufahren. Diese Menschenmassen hier auf Skye gehen echt auf keine Kuhhaut… Verrückt was hier an den Hotspots los ist. Wir sind natürlich genau so Touristen wie all die anderen Menschen denen wir begegnet sind, genauso wie wir eben auch mit dem Auto die Hotspots angefahren haben. Ich will hier niemanden dissen oder mich als jemand besseres darstellen. Skye ist mir aber bereits jetzt Ende April eindeutig zu stark besucht und wird mich vielleicht irgendwann im Oktober mal wieder auf dem Skye Trail sehen…

      Bei schönstem Wetter geht es dann am nächsten Tag von Uig über Armadale, weiter über Mallaig zur Camasdurach Campsite. Aber der Reihe nach:
      Vor Sligachan zeigen sich die Black Cuillins schönsten Seite! Will gar nicht wissen, was da gestern und heute los gewesen sein muss. Weiter geht es dann nach Armadale über die Sleat Penninsula. Vor allem rechts von der Straße scheint es außerordentlich karg zu sein. Gefällt mir ausgesprochen gut und ich muss über Google Earth echt mal schauen, ob man hier nicht auch irgendwie das ganze erwandert bekommen könnte.


      Die Black Cuillins

      Kurz vor Armadale rieche ich kurz eine ordentliche Prise Malz und direkt hinter der Kurve steht eine Brennerei! Ich wusste nicht dass es hier unten auf Skye eine weitere Brennerei gibt. Somit kann Talisker nach der Eröffnung der Raasay Distillery auf der Isle of Raasay und nun auch noch der Torabhaig Distillery sich definitiv nicht mehr die „einzige Destillerie der Isle of Skye“ nennen. „Made by the Sea“ ist auch leicht ausgelutscht.
      Einen Besuch der Talisker Distillery habe ich mir aufgrund der zu erwartenden Besucherströme und schlechter Kritiken im Netz verkniffen. Die Torabhaig hätte ich allerdings schon sehr gerne besichtigt, leider habe ich dafür keine Zeit da wir unsere Fähre bekommen müssen. Stattdessen schlendere ich kurz durch den Shop, kaufe ein Glencairn Glas und verschiebe den Besuch auf ein anderes Mal. Vielleicht gibt’s dann ja auch mal nen Schlückchen Newmake zum probieren. ;-)


      Torabhaig Distillery

      Blick von der Fähre aus in Richtung Knoydart; links der dunkle Buppel ist der Ladhar Bheinn, der letzte mir noch fehlende Munro auf Knoydart. Rechts der erste Schneebedeckte müsste der Meall Buidhe sein, die beiden Pyramiden Sgurr na Ciche und wahrscheinlich der Garbh Chioch Mhor. Die habe ich alle 2016 erwandert!
      Morar und Moidart

      Von Mallaig geht es dann nur noch ein kurzes Stück weiter bis zur Camasdurach Beach, bzw. der Camasdurach Campsite. Die Campsite ist spitze, geilste Lage, super Facilities, wers braucht Wifi auf dem gesamten Platz, klare Empfehlung! Den restlichen Nachmittag verbringen wir damit, uns einzurichten und das schöne Wetter zu genießen. Sina flitzt kreuz und quer über den gesamten Platz.

      Nach dem Abendessen geht es noch einmal zum Strand. Ich möchte bei schönem Licht ein paar Flaschen Bier in Szene setzen. :bg:



      Aufgrund des schönen Wetters und der phänomenalen Lichtverhältnisse ziehe ich die wichtigste Aufgabe des gesamten Urlaubs vor! Den Verlobungsring in der Tasche mache ich Susi im Abendlicht einen Heiratsantrag, der auch mit einem „Ja“ erwidert wird! Hier hat einfach alles gepasst: Perfekte Location, perfekter Zeitpunkt.







      Am nächsten Tag schlendern wir die Küste entlang, Steine schmeißen, buddeln, Sonne genießen. So haben wir uns das hier vorgestellt!


      unser Eureka Lakota

      Überall blüht derzeit der Stechginster

      Südseefeeling

      Immer die Isle of Rum im Blick

      beach art

      "Mama, auch, Teine, schmeiße"

      Abends „feiern“ wir unsere Verlobung im Chlachain Inn in Mallaig. Unsere große Seafood Platte essen wir allerdings in primär in Etappen, da einer von immer uns mit Sina durchs Lokal pesen muss und die geklauten Billardkugeln zurück auf den Billardtisch legen muss. Ist aber eigentlich nicht so schlimm, weil der Großteil davon eh kalt ist und die in Mayosoße ertränkten Muscheln (sic!) ewig warm bleiben….


      Nach einem abendlichen Gewitter...

      ...gibts sogar einen schönen Regenbogen

      Neu

      Oh ja, das war es! Natürlich habe ich den Verlobungsring aus der Tasche genommen.... bisschen ungenau formuliert. :ups:



      Am nächsten Tag plane ich eigentlich eine Tagestour alleine, verschiebe diese wiederum auf den morgigen Tag. Stattdessen unternehmen wir eine kleine Wanderung etwas weiter südlich durch Gleann Mhama zum Loch Mhama. Der Road of the Isles folgend parken wir das Auto kurz hinter dem ersten kurzen Viadukt am Straßenrand.

      An einem kramigen Hof vorbei folgen wir dem Allt á Mhama bis er sich verbreitert. Links und rechts des Flusses zeigen sich immer wieder kurze Pfadspuren. Wir queren mehrmals über Stepping Stones eh wir weiter aufsteigen. Um uns rum schöne noch kahle Erlen, der Farn bricht gerade die ersten Zentimeter aus der Erde, wenige Pflanzen blühen. Der Untergrund ist immer wieder etwas matschig, Midges zeigen sich zum Glück noch nicht.




      endlich wieder ein schottischer Qualitätsweg wie wir ihn kennen und lieben ;-)

      es geht aufwärts!


      Über die erste Anhöhe rüber hoffen wir bereits den See erreicht zu haben. Sina will aus der Manduca und selber laufen… Aber wir sind noch längst nicht am Ziel. Weiter über den Schmalen Pfad vorbei an alten Schafpferchen erreichen wir endlich den See. Leider weht eine leichte Brise, ansonsten könnte man hier locker im T-Shirt verweilen. Sina erkundet die Umgebung, klettert über Steine, zupft an Heide. Wir sehen uns nur an und nicken uns lächelnd und sicherlich glücklich zu. Trotz der aktuell bescheidenen Temperaturen sind wir froh in Schottland zu sein!


      Sina checkt die Lage

      Sinchen, unsere kleine Wandermaus

      Wenn sie doch wenigstens eine Irn-Bru in der Hand halten würde, anstelle einer Fanta mit Totenkopf.

      Nach dem Mittagessen wollen wir uns wieder dem Rückmarsch bzw. Steine schmeißen widmen. Ich muss allerdings erst einmal einen zeckenfreien Zustand herstellen. Meine Hose, meine Arme, meine Hände, überall kleine Zecken. Beim Kind deutlich weniger, bei Susi wie immer gar keine… Ich scheine mich in mindestens ein Nest gesetzt zu haben.



      Am Ausfluss des Sees verbringen wir eine weitere viertel Stunde damit Steine zu schmeißen. Erneut über Stepping Stones geht es dann auf die andere Flussseite. Hier gibt es bis zu einer erneuten Flussquerung einen richtigen durchgängigen Pfad.


      Sina in ihrem Element - Steine schmeißen

      Susi scheint auch zufrieden

      Sehr schön






      Nach drei Stunden ist unser 3,5km langer Ausflug beendet und wir fahren zufrieden zurück zur Campsite. Der kurze aber schöne Spaziergang durchs Gleann Mhama ist für Familien mit Kindern eine schöne kurze Tour. Das Hochtal um den See liegt einfach malerisch schön gelegen!

      Ich fahre noch einmal nach Mallaig, ich brauch endlich Steak (und neues Bier :bg: ), welches dann später im Abendlicht auch endlich unsere Eisenpfanne auf dem Kocher fordert!

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      Great Mountain Day: Rois-Bheinn round bei Inverailort

      Am nächsten Tag dann endlich meine lang ersehnte Tagestour alleine! Die Rois-Bheinn round bei Inverailort: 3 Corbetts, 18km, 1700hm und 8 bis 10h Gehzeit stehen bei Walkhighlands in der Tourbeschreibung. Ein wahrer „West Highland Klassiker“ oder für mich einfach nur ein weiterer „Great Mountain Day“! Rois-Bheinn round bei Inverailort

      Als "Great Mountain Day" bezeichne ich Wanderungen, die mich über viele Kilometer auf Bergrücken wandern lassen. Dabei oftmals die 20km und 2000hm Marke überschreiten. Der britische Autor Dan Bailey hat einen Wanderführer namens "Great Mountain Days in Scotland" herausgegeben, der mir auch schon bei einigen Touren zur Planung beigetragen hat.

      Nun also die Tour:

      Mein Wecker klingelt um sechs, der Rucksack ist bis auf eine Kanne Tee gepackt. Vor Ort stelle ich das Auto vor dem alten Estate Schlösschen bei Inverailort ab und laufe los. Entlang des Weidezauns marschiere ich einen halben Kilometer auf einem grünen Fahrweg, danach wirds typisch schottisch: Viel Bog und nicht weniger nässe. Zwischen Gras und Rhododendron lässt sich ein Pfad erkennen. Ein paar Meter geht es über Stein aufwärts, dann wieder über schmale kaum erkennbare Pfade, bis ich plötzlich auf dem im Internet beschriebenen „Hydro Track“ stoße. Ich stehe quasi am Talgrund, den ich in ein paar Stunden an derselben Stelle verlassen werde. Ein Stück weiter oben quere ich den zum Hydro Track gehörenden Damm. Rechts vom Fluß führt ein verbogter ATV Track aufwärts.

      Ich laufe teils mit, teils quer zum Hang das Tal weiter aufwärts. Eigentlich will ich über den vorgelagerten Huppel des Meall Damh zum Pass zwischen Beinn Coire nan Gall und Druim Fiaclach, den ich allerdings verpasse… Stattdessen laufe ich um den Meall Damh herum. Das Ganze war so nicht geplant und beschert mir bestimmt einen Extra Kilometer. Bächlein und Gumpen liegen noch im Schatten und sind mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. – Ich bin derweil im T-Shirt unterwegs.


      Sgurr na Ba Glaise, Rois Bheinn und der An Stac von unterhalb des Druim Fiaclach gesehen





      Nach Osten zeigt sich der Ben Nevis

      Weiter geht es aufwärts zum Druim Fiaclach. Oben angekommen, teilweise auch mit Einsatz der Hände kann ich endlich die komplette Aussicht genießen und zugleich meine noch zu laufende Route komplett einsehen. Obwohl ich schon fast die Hälfte der heute zu absolvierenden Höhenmeter in den Beinen habe, kommt da noch einiges auf mich zu. Ich liebe es einen Bergrücken zu erklimmen und ihm die nächsten Kilometer zu folgen (nebenbei schlage ich ja bekanntlich ganz gerne auch mein Zelt hier oben auf).


      Endlich oben auf der Ridge


      Mein Weg führt mich südwestlich abwärts zum Bealach, dort wieder aufwärts. Anders als auf den viel begangenen Munro Routen, sind hier oben auf der Ridge kaum Trampelpfade zu sehen. Die meisten Pods an denen ich bisher vorbei komme sind noch mit Eis, oft auch noch mit Schnee bedeckt. Ein einzelner Tümpel ist aufgetaut, hier störe ich anscheinend eine Froschorgie. Kurz vor Erreichen des Ufers verstummen die glücklichen Viecher, am Ufer angekommen schwimmen sie (meist im Doppelpack) davon.


      Viele Fußabdrücke sind hier nicht zu sehen...

      Hier hat sich quasi ein vierter Berg in die Runde geschummelt

      Endlich erreiche ich den Sgùrr na Bà Glaise, den ersten Corbett des Tages (874m hoch). Der erst bestiegene Druim Fiaclach erreicht zwar ebenfalls die nötige Corbett Höhe von >2500 Fuß – 2999 Fuß, lässt aber mangels >500 Fuß Prominenz (Schartenhöhe, also in alle Richtungen mindestens rund 150m Meter höher als der Rest) missen. Die Aussicht ist deswegen aber nicht geiler, oder weniger schön.



      Hiernach geht es wieder zu einem Bealach hinunter (173m da haben wir dann gleich wieder die Prominenz), eh es zum Rois-bheinn hinauf geht (181m ohne Gegenanstiege). Am Bealach lasse ich meinen Rucksack auf der Steinmauer liegen, den muss ich schließlich nicht unnützerweise da hinauf schleppen.

      Zum Rois-Bheinn muss ich mich schon ganz schön hochschleppen. Ich bin den ganzen Tag schon viel zu schnell unterwegs und auch Pausen sind für mich ein Fremdwort… Am Gipfel angekommen sehe ich weiter westlich einen Nebengipfel mit einem fetten Cairn drauf. Ob dies der eigentlich Gipfel des Rois-bheinn ist, oder eben der auf dem ich gerade stehe, kann ich von hier nicht sagen. Meine Wanderkarte liegt beim Rucksack… Ich schätze die zu laufende Distanz hin- und rück auf ne gute Meile und steifel los.




      Auf zum Rois-Bheinn


      Und mal wieder die Isle of Rum

      Der Nebengipfel liegt 4m tiefer als der Hauptgipfel und somit kann sich geneigter Peak Bagger diesen kneifen.
      Zurück am Bealach schiebe ich mir schnell ein trockenes Sandwich rein und steige weiter ab in Richtung Pass zwischen An Stac und meinem Pass auf dem ich gerade stehe. Danach kämpfe ich wirklich…


      Die beiden Gipfel des Rois-Bheinn

      Der An Stac ist ein Ungetüm von einem Berg, kreisrund, steil, viele Felsen und keine Pfade (bzw. gescheite Aufstiegslinien). Anstelle einfach mal ne halbe Stunde Pause zu machen schnaufe ich den Berg hinauf, runter soll es auf der anderen Seite Richtung Norden gehen. Oben am Gipfel (814m) scheint mir diese Route aber zu steil und ausgesetzt was auf der Karte gar nicht so rüber kommt. Anstelle den Horseshoe also vollständig zu machen laufe ich zurück und quere den Hang Richtung südwest zum Talschluss. Auch hier muss ich immer wieder die Hände zur Hilfe nehmen bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit das Coire a‘ bhùiridh erreiche.




      Druim Fiaclach, dem Bächlein folgend sieht man meine Aufstiegsroute

      Sollte eigentlich kein Problem sein... Der Abstieg vom An Stac

      Mit den Bergen bin ich für heute fertig, jetzt geht es „nur“ noch Richtung Talgrund abwärts. Mein Ausflug Richtung Coire bringt noch einmal weitere zwei Kilometer auf die Tagesstrecke on top. Weitere drei Kilometer später (die Hälfte davon verbogter ATV Track) bin ich völlig abgekämpft und erreiche den Hydro Track… Im Nachhinein frage ich mich, weshalb ich mich so verausgabt habe… Ich wollte mir beweisen, dass ich es trotz Bandscheibenvorfall und Monatelang keinem Sport noch „drauf“ habe. Starker Tüb. :ups:

      Dem Hydrotrack und danach der kurzen Etappe Bog bis nach Inverailort lasse ich dann wieder etwas langsamer angehen. ;-) Geiler Tag, gerne wäre ich an dieser Stelle mit dem Zelt unterwegs gewesen! Mein GPS zeigt mir übrigens beinahe 2000hm und 23km Tagesleistung bei insgesamt acht Stunden on tour an.

      Ich komme durch mein Gehetze deutlich früher als geplant bei meinen Mädels an, somit können wir noch einen gemeinsamen Nachmittag am Strand einlegen. :idee:

      Neu

      Ganz tolle Eindrücke, Sven - Danke dafür! Und herzlichen Glückwunsch zur Verlobung!
      -> Ich bin immer auf der Suche nach Abfüllungen bzw. Sampels aus meinem Geburtsjahr 1976 und darüber hinaus nach alten Islays & Broras aus den 1960/70ern. Schreibt mir gern!

      Mitglied & Schriftführer der Churpfälzer Maltfreunde / Schottland- & Single Malt-Liebhaber (Ardbeg-, Bowmore, Brora und Port Ellen).