Macallan - Alles Neu - Alles Schön?

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      Macallan - Alles Neu - Alles Schön?



      Macallan - Alles Neu - Alles schön?


      Macallan ist die Speyside Destillerie mit einer enormen Reputation,
      einem enormen Erfolg und ... einem erheblichen Konfliktpotential.
      Macallan hatte ein Image und eine alte Destille.
      Macallan hat sich aber auch ganz neu aufgestellt.



      Ich finde der Unterschied wird nicht besser deutlich, als wenn man sich Imagefilme ansieht, die nur fünf Jahre
      auseinanderliegen ...
      Der alte Film.... Dunkel, Gesetzt, Dreckig, Arbeiterbezogen, Bodenständig, Easter Elchies House ...



      Der neue Film ... Bewegend, Modern, Groß, Global, Hell, Sauber, The Roof! The Cathedral!



      Ich sage es ganz offen ... ich bin von dem Gebäude faziniert.
      Ich bin vom Bauen mit Holz faziniert.
      Ich bin, gerade ob der Armut guter Industriearchitektur in Deutschland, begeistert von dem Gebäudeentwurf als Fabrikationsstätte.
      Daneben kann ich mich erfreuen an Kathedralen der Destillation. Glenrothes Stillhouse sei da nur als herausragendes Beispiel genannt.
      Aber nehmen wir mal Abschied von der Architektur
      ... verbunden mit der neuen Destille ist ein neues Image.
      Ein neues Statement wurde gesetzt.
      Ich hatte in der Feder schon früh die Begeisterung für dieses Statement.
      Je mehr Wasser aber den Spey entlangfließt, desto mehr erkenne ich auch, wie mir das alte Image irgendwie fehlt.
      Warum ist die oben stehende Begeisterung mir nicht genug ?
      Ich brauchte lange, bis ich erkannt habe, das es gar nicht die Tele-Tubie Anmutung des Daches ist.
      Das es nicht die schiere "Größe" als Statement ist, was mich innehalten läßt.
      Es läßt sich auf ganz andere Punkte summieren, die mich grübelnd zurück lassen.... es sind die Menschen und die saubere, eher sterile Moderne.
      Wenn ich mir vor Augen halte, welche Destillen mir wirklich gefallen, zu welchen Produktionsstätten ich immer wieder gerne zurück komme, dann
      sind es Brennereien die genau das Gegenteil ausstrahlen von dem was das neue Macallan-Statement ist.

      Ich bin faziniert von Springbank.
      Stehe mit strahlenden Augen vor Strathisla.
      Begeistere mich an Tobermory. Finde sogar einen maroden Charme in Ben Nevis.
      Schaue auf Balblair oder Highland Park mit dem Gefühl und der Sicherheit ein Stück der Geschichte Schottlands zu sehen.
      Plätze der Arbeit - aber auch Stätten voll Geschichte und Geschichten.

      Es brauchte einfach etwas bis die Faziniation verflog und der Schleier sich lüftete - und was übrigen blieb war für mich nur...
      Beton, Glas, Edelstahl, Gigantismus, Beliebigkeit ...

      Fracks und Fliegen, Laser und Exklusivität die ich gar nicht gesucht habe.
      Auch ein Statement.



      ___Mortlach.de

      ____ „Kühner als das Unbekannte zu erforschen, kann es sein, das Bekannte zu bezweifeln.“ Alexander von Humboldt

      Wir alle seins Brüder,
      Wir alle seins gleich!
      Wenn man überlegt, daß in einem Unternehmen sich alle Kosten auf das Produkt niederschlagen, dann schaut man sich gerne das Video an (schon geil gemacht für die aktuelle Zeit), macht mal ne Besichtigung und kauft dann doch ggf. den bodenständigen Glenfarclas ;-)

      Ich zitiere mal Herrn Uhlenbruck: "Das Schwierigste bei einem Höhenflug ist die Landung". ;-)
      "Bin immer auf der Suche nach älteren Bruichladdich Abfüllungen. Destilliert in den 60er, 70er Jahren und freue mich auf Angebote"
      Habe nach meinem Besuch im August im anderen Forum
      schon meine Meinung dazu geschrieben:

      Scheußlich, grässlich und für mehr als 140 Mio nur ein "Whiskytheater"
      mit einem großen Foyer!

      Man kommt sich sehr verloren vor in diesem Gigantismusbau.
      Die wellenartige, hölzerne Dachkonstruktion paßt nicht zu den strengen
      geometrischen Betonunterbau und der teilweise akkurat ausgerichteten
      Inneneinrichtung.

      Auch die Flaschensammlung wirkt irgendwie deplatziert.

      Für mich hat das Gebäude den Charme eines Luftschutzbunkers.

      An Schlimmsten finde ich die Präsentations-Tische der überteuerten
      "Zubehörartikel", von unten beleuchtet in einem eher dunklen Raum
      kann man nichts erkennen und nach 2 min brennen die Augen vom Gegenlicht

      Von Außen haben die Architekten ganze Arbeit der Verunstaltung eines schönen
      Flecken Schottlands geleistet. Ein Material- und Planungsmix, der fast schon weh tut.

      Mein Fazit:
      für 140 Mio Euro (oder waren es BP?) hätte man auch viel guten Whisky produzieren
      können

      Käfer

      rednose schrieb:

      Beton, Glas, Edelstahl, Gigantismus, Beliebigkeit ...


      ... und damit die konsequente architektonische Umsetzung der Firmenphilosophie der letzten Jahre, das Abfüllungsportfolio ist mMn auch nur noch ein steter Mix aus Gigantismus und Beliebigkeit.

      Eine Flasche Macallan 10y war 1987 mein Einstieg in die Whiskywelt. Nicht, weil Macallan den Ruf hatte, der Rolls Royce unter den Single Malts zu sein, soweit war ich damals noch lange nicht ... nein, einfach weil die schlichte weisse Schachtel mit dem kleinen Easter Elchies House mir gut gefiel. Eigentlich müsste Macallan also bei mir einen dicken Nostalgie-Bonus haben, aber der ist lange aufgebraucht - so lange schon, da war an Teletubbieland noch gar nicht zu denken.

      Und ebenso wie mich seit Jahren die Abfüllungen von Macallan nicht mal mehr ansatzweise interessieren, so interessiert mich auch die neue Destille nicht. Gigantismus und Beliebigkeit - mögen sie dem Royal Scotsman da noch ein Gleis rauflegen, ich tucker' lieber weiterhin mit der ollen Museumsbahn von Dufftown nach Keith, klaue mir in der kleinen Cooperage 'ne Daube und mache Picknick im Gras bei Strathmill.


      "The nobility show themselves very great before strangers; they ply you briskly with drink;
      for its their way of showing you'r welcome, by making you drunk"


      Thomas Kirke, during his travels around Scotland in 1679
      Nachdem ich Rednose gestern Abend gesagt habe, wie gut ich seinen Artikel finde, meinte er, dass solle ich auch hier tun, da davon die Community lebt. Daher hier nun mein Tütchen Senf:

      Macallan ist keine Destille, die ich auf dem Radar hatte oder habe. Die "gute alte Zeit" habe ich verpasst und die neueren Sachen interessieren mich nicht wirklich. Ich wehre mich nicht, wenn ich einen ins Glas bekomme (diesen habe ich mal ausgegeben bekommen) und habe vier Flaschen noch im Schrank stehen (2x 18er Fine Oak als "Spekulationsobjekt"), aber letztendlich lässt mich die Marke kalt.

      Nach dem Ansehen der Videos ist mir aber ein Dilemma der Whiskyindustrie (und seinen wir ehrlich, es ist eine Industrie) wieder bewusst geworden. Auf der einen Seite die Geschichte, die viele der Destillen haben ("schon MacSchlagMIchTot hat hier vor Generationen nach althergebrachten Rezept Scharzgebrannt"), aber auf der anderen der Wunsch, moderne Erkenntnisse umsetzen zu können und aktuellen Geschmäckern zu entsprechen.

      Daher finde ich es spannend, wenn ein mutiger Schritt gemacht wird (ok, mit sehr viel Geld in der Hinterhand), auch neue Wege im Bereich Whisky zu gehen, und finde es gar nicht schlimm, wenn es gar nicht mehr so aussieht wie vor "drölfzigtausend Jahren". Wir sind in einem neuen Jahrtausend. Warum sollen dann nicht auch neue Wege gegangen werden?

      Anderseits finde ich gleichzeitig interessant, dass ich bei einer (zugegebener Maßen nur kurzen) Internetrecherche nicht herausfinden konnte, welche Auswirkung der Neubau auf die Produktion von Macallan hat. Rednose konnte gestern Abend auch nicht sagen, ob überhaupt noch in der alten Destille produziert wird. Er hatte zumindest im Hinterkopf, dass sich dadurch die Anzahl der Stills verdoppelt hat. Macallen versucht, was neues zu machen, ohne zuzugeben, dass sie etwas Neues machen. Auch wenn die Stills ggf. mit modernsten Methoden so hergestellt wurden, dass diese "vollkommen" identisch mit den alten sind, finde ich das etwas heuchlerisch. Letztendlich machen die mit neuen Brennblasen neuen Whisky. Inwieweit dieser mit dem "Alten" vergleichbar ist, könnte man nur herausfinden, wenn Macallen die unterschiedlichen Blasen hinterher als Ursprung des Whiskys aufzeigen würden. Und da werden die einen Teufel tun. Es wir nur "The Macallan" geben.

      Außer die finden eine Möglichkeit, beide Varianten jeweils teurer zu verkaufen.
      The answer is 42!
      Wirklich neue Wege sehe ich hier aber nicht. Nicht mal in der Grössenordnung des Um- und Neubaus und der Frage, ob und wieviel noch in der alten Destille produziert werden wird - bei Glenlivet dürfte 2010 auch kaum ein Stein auf dem anderen geblieben sein. Neue Wege geht man seit Jahren bei ganz anderen Stellschrauben, die die Qualität sehr viel deutlicher beinflussen als eine fehlende Beule in der neuen Still, und das heimlich, still und leise und nicht nur bei Macallan - Gersten, Hefen, Gärzeiten etc.

      Hab's ja oben schon gesagt, für mich ist das die architektonische Umsetzung der Firmenphilosophie - viel Schein von Exklusivität und Modernität für eine gut betuchte Kundschaft, die auf eben diese Attribute Wert legt. Die Zielgruppe von Macallan empfängt man eben in einer noblen Halle und nicht zwischen Tür und Angel - ein Aston Martin vor dem Teletubbieland passt, vor dem Shop von Aberlour wirkt er irgendwie deplaziert. Ähnlich deplaziert übrigens wie ich immer das neue, jetzt alte Besucherzentrum empfand, das passte für mich nie zu meinem Bild von Macallan. Dann doch lieber konsequent so wie jetzt - beliebig und gigantisch ... ;)


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      Thomas Kirke, during his travels around Scotland in 1679

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „cairdean“ ()

      Tach auch

      Dass ich mit solchem Schickimicki Kram nichts anfangen kann - ganz im Gegenteil - ist vermutlich bekannt.

      Allerdings hat die Whiskyindustrie schon immer versucht, so modern u. dabei so kostengünstig wie nur möglich zu produzieren. Vielleicht war dieser äussere Hobbit-Baustil der einzig gangbare Weg, diesen Gigantismus umzusetzen, ohne den Hang des Hügels komplett zu verhunzen.
      Warum man dann - wenn man die Optik wirklich im Sinn hatte - allerdings so dermaßen scheussliche Warehouse oben auf den Hügel gesetzt hat, wird mir vermutlich immer ein Rätsel bleiben. Das sah m.b.M.n. beim Bau schon mäßig aus u. wird sich nach Fertigstellung vermutlich nicht geändert haben.

      Es gibt ja Menschen die haben - im Gegensatz zu mir ... - die Gabe, es in einen Satz zu fassen. Darum möchte ich hier Joe (Brandie) zitieren, der auf das Thema im Juli 2017 angesprochen nur trocken meinte: "That's not a Distillery".



      Beste Grüße u. schönen Sonntag noch,

      Det
      They won't appreciate your long experience. They'll only notice when we've gone.
      нет, нет, нет ...
      Ich sag mal so. Jeder möchte Lohn und Brot. Whisky ist wohl das umsatzstärkste Außenhandelsprodukt Schottlands. Der weltweite Whiskyboom ist ungebrochen, die Nachfrage scheint das Angebot zu übersteigen. Ob man es wahrhaben will oder nicht, Macallan hat einen gewissen Ruf. Ob nun in Geniesser- oder in Schickimickikreisen sei mal dahin gestellt. Wenn die Kritiker hier nun auch mal als Firmenleitung entscheiden müßten, ob sie dieser Nachfrage und dem Ruf für die nähere Zukunft durch Ausweitung der Produktion gerecht werden sollen oder nicht, wie würdet ihr entscheiden? Würdet ihr nicht auch ranklotzen um die Welle bis zum Schluß zu reiten? Und wenn ihr euch dazu entschieden habt, würdet ihr es nicht auch in einem einmaligen Gebäude tun, um auch darin dem Ruf gerecht zu werden? Es ist wie mit VW. Da mögen auch viele den Verbrennern hinterhertrauern, welche noch eine große Handarbeit erforderten. Aber nun hat dieser Gigant der Automobilindustrie auch endlich die Zeichen der Zeit erkannt und schwenkt massiv um. E-Mobility ist halt die Zukunft und wer da nicht mitspielt, hat verloren. In diesem Sinne hat Macallan bestimmt alles richtig gemacht und sich für die Zukunft aufgestellt.
      Nur zur Ergänzung ... Macallan hat seine Produktionsmenge, nur in dem neuen Gebäude verdreifacht. Die Destillation wird nur noch mit 2 Mitarbeitern gefahren. Forthys hat genaue Repliken der alten Brennblasen erstellt. Das alte Brennereigebäude soll zu einer "Geisterbrennerei" werden, in der die Kupferstills erhalten bleiben.
      Sie destillieren dort jetzt fast ein Jahr und der Spirit soll nahezu identisch sein.

      Quelle : New whisky distillery in Moray 'like nothing else' - BBC News

      ___Mortlach.de

      ____ „Kühner als das Unbekannte zu erforschen, kann es sein, das Bekannte zu bezweifeln.“ Alexander von Humboldt

      Wir alle seins Brüder,
      Wir alle seins gleich!
      Ja, dass ist der Fluch der globalen Automatisierung. Viele Handarbeiten werden dadurch wegrationalisiert. Ich bin selber Ingenieur und Neuem gegenüber stets aufgeschlossen. Aber diese Entwicklung führt in die gesellschaftliche Katastrophe. Erst Mad Max, dann Terminator und schlußendlich hängen wir alle in der Matrix. Sehr beängstigend diese ganze Entwicklung.
      @rednose: Danke für den Link mit den zusätzlichen Informationen.

      Nur ich lese den Artikel etwas anders. Ja, die produzieren nur noch in der neuen Location. Nur die Aussage "It will have one-third extra production capacity" heißt für mich, dass 1/3 mehr produziert wird als zuletzt in der alten Destille.

      Wenn die alten Brennblasen aber noch da sind, haben sie jetzt theoretisch mehr als das doppelte an Kapazität, wenn sie sie nutzen würden.

      Und natürlich behaupten sie, dass der Stoff der selbe sei. Müssten sie auch, sonst müssten sie als nagelneue Destille mit den ganzen anderen Newcomern konkurrieren. Und wer will das schon mit einer Marke wie "The Macallan"?

      Sehr bezeichnend und wahrscheinlich unfreiwillig wahr finde ich diesen Satz(teil):

      "We took a death mask of the existing stills"
      The answer is 42!
      Hi there,
      für mich ist Edrington auf den Luxuszug aufgesprungen und will LVMH nacheifern.
      Die neue distillery ist nur ein Fasade um zu verschleiern, daß es den "alten" Macallan nicht mehr gibt und auch kein Versuch gemacht wird, diesen alten Macallan in einer Nische für den Normalverbraucher überleben zu lassen.
      Insofern ist es auch eine Nebelwand um zu verschleiern wie sehr die Qualität durch die Politik des Eigentümers seit der Fine Oak Serie sich verändert hat.
      Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn man dazu offen stehen würde: Sorry, aber so viel "alten" Macallan wie die Welt will, können wir nicht machen. Daher gibt es anderen.
      Aber da wäre es natürlich auch nötig zuzugeben, daß es den "alten" Macallan noch gibt... wenn man das nötige Kleingeld hat. Daher verschleiert das ganze Brimborium auch, daß es ein Zweiklassen malt ist, mindestens.

      Greetings
      kallaskander
      Never water another man's whisky.

      Es besteht keine Verpflichtung obigen post zu lesen, zu mögen oder zu kommentieren.
      Sollte eine persönliche Meinung enthalten sein, besteht weiter keine Verpflichtung, sich diese zu eigen zu machen.

      Ach, ja... Der Macallan... Recht machen können sie es einem nicht mehr, egal was sie machen.

      Ich besuche "Den Macallan" nun schon seit 20 Jahren, leider hatte die Destillerie für mich noch nie den Charme einer kleinen traditionellen Destillerie, dem Rednose nun hinterher trauert. Schon vor 20 Jahren entsprach ein Besuch vor Ort, gerade bei "Dem Macallan", schon nicht der aus dem Image der Marke erzeugten Erwartung. Und schon damals gab es da jede Menge Product Manager, Markting Vögel und man bekam von der eigentlichen Produktion keinen zu Gesicht.

      P.S.: 2 Stillmans pro Schicht ist einer mehr als noch bei der alten Destillerie, oder?
      Immer schön Dram bleiben