Also ich lass’ mich ja nicht beeinflussen …

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      torfbombe schrieb:

      wärst Du erste, dem das gelingt.

      Das bin ich ganz sicher nicht. Ich kenne einige Herrschaften - auch und gerade hier im Forum -, auf die das in gleichem Maße zutrifft.
      Und glaub mir mal: Als PR-Mensch kann ich schon wirklich sehr gut einschätzen, wo ich für Marketing anfällig bin. Und wo nicht. Was vielleicht zusätzlich erklärt, warum ich mir in Sachen "null Chance" sicher bin.
      'Too much of anything is bad, but too much of good whisky is barely enough.' :flag2:

      Es wird eingeschenkt: meine Samplebar

      :flag:

      Also, ich nehme mal eine vermittelnde Position ein: Natürlich nehmen wir die Werbung von Pernod Ricard zur Kenntnis. Aber der strikt qualitätsorientierte geübte Trinker schätzt auf Grund seiner Erfahrungen die Chance ab, etwas leckeres zu bekommen. Und ab da ist die Aufmerksamkeit ganz schnell woanders...
      Viele Grüße

      Martin

      Domtrinkknabe! Und zwar mit Absicht. ;)
      Ob man nun bei einem Thema für Marketing anfällig ist oder nicht hängt halt stark davon ab, wie gefestigt man in seiner Einstellung zum Thema ist. Gerade Whisky bietet da jede Menge Ankerpunkte um herrlich festgelegt zu sein. Und damit immun gegen Werbung oder Marketing.

      Wenn ich für mich nun definiere, dass Lochsides die besten Whiskys waren, und ich deswegen nur noch diese trinken und aus Ermangelung eines großen Angebots sowieso jeden Lochside kaufe, den ich bekommen kann; nun ja, dann lässt mich Whiskywerbung kalt. Selbst eine Werbung, wie "Lochsides im Angebot" lässt mich dann ja kalt, weil ich die Biester ja doch kaufe.

      Oder wenn ich beschließe, statt Geld zu verbrennen nur noch frische Port Ellens zu trinken, oder vielleicht alle Kilchoman Abfüllungen zu kaufen, oder nur noch Whisky zu kaufen, der schon 20 Jahre aus dem Markt ist, nun dann ist mir das aktuelle Marketing natürlich auch ziemlich egal.

      Egal sein, oder immun, bedeutet ja nicht, dass man das Marketing nicht wahrnimmt, aber es ist halt nur für diesen Moment und für die ganz spezielle Leidenschaft irrelevant.
      Immer schön Dram bleiben

      Letzendlich treffen hier anscheinend unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Ich persönlich glaube, jeder von uns ist in irgendeiner Weise anfällig für Werbung/Marketing, weil diese so subtil wirken kann, dass wir das manchmal nicht bemerken, geschweige denn kontrollieren können. Das gilt aus meiner Sicht auch (oder gerade) für Hobbies, die wir pflegen, da wir uns dann zwangsläufig intensiver mit dieser Materie beschäftigen. Ich glaube nicht, dass wir uns absolut und rational kontrollieren können um hier nicht anfällig zu sein.
      Das ist aus meiner Sicht auch gar nicht schlimm, wir wünschen uns alle vielleicht, in wirtschaftlichen Dingen absolut rational zu handeln aber so ist unser Gehirn nicht konstruiert. Man kann das akzeptieren, oder auch nicht. Das bleibt jedem selbst überlassen und ich habe auch gar kein Problem damit, wenn andere das andern sehen ;)
      "Realität ist eine Illusion, die sich durch Mangel an Alkohol einstellt" - Udo Lindenberg

      Glenturretsyndrom schrieb:

      Irgendwie finde ich das High-Tech-Marketing im Artikel nicht wieder. Ein wenig so als würde man eine "Kritik an Sex mit minderjährigen Ladyboys in Thailand" mit einer allgemeinen "Kritik an körperlichen Liebe" kommentieren.


      Ich bilde mir ein, ein sehr ausgeprägtes Phantasieleben zu haben, aber auf diesen Vergleich wäre ich in meinem ganzen Leben niemals gekommen.

      Die Medaille Marketing hat 2 Seiten und ich kann beide verstehen: Die Beeinflussung einer Masse von Menschen fußt auf 3 Grundregeln, die Gustave LeBon schon 1895 festgestellt hat: In sich schlüssige Argumentation, kurze, leicht verständliche Sätze und vor allem permanente Wiederholung. Irgendwann bleibt die Botschaft in den Köpfen der Menschen hängen. So hat Werbung schon immer funktioniert und so wird sie es immer tun.

      Auf der anderen Seite haben wir, die wir uns hier tummeln, natürlich schon einiges an Whisky-Erfahrungen gesammelt, so daß wir in der Lage sind, eine Marketing-Kampagne, und sei sie noch so ausgefeilt, mit ganz anderen Augen zu sehen und auch zu beurteilen als die breite Masse potentieller Kunden, und auf die zielen diese Kampagnen natürlich. Für die Werbestratege der großen Brennereien bzw. Konzerne sind wir ein vernachlässigbarer kleiner Haufen Freaks.

      Für mich persönlich war es ein kleiner Sieg der Objektivität, als mir neulich eine Abfüllung TROTZ ihrer Aufmachung und des Tam-Tams drumherum, welches mir nicht gefällt, richtig gut geschmeckt hat: Der Highland Park 18 Jahre "Viking Honour" (was mit dem Inhalt der Flasche ja nu gar nichts zu tun hat...) Travel Retail Edition.
      If the ocean was whiskey, and I was a duck,
      I'd dive to the bottom, and never come up.

      Tex Ritter, "Rye whiskey", 1933
      ... eines muss und darf man Sebs Einwürfen lassen: sie treffen oft den Nerv und treten spannende Diskussionen los ;-). Für solche Diskurse steht unser Forum. Insofern Danke, Seb, und allen die sich hier einbringen!
      -> Ich bin immer auf der Suche nach Abfüllungen bzw. Sampels aus meinem Geburtsjahr 1976 und darüber hinaus nach alten Islays & Broras aus den 1960/70ern. Schreibt mir gern!

      Mitglied & Schriftführer der Churpfälzer Maltfreunde / Schottland- & Single Malt-Liebhaber (Ardbeg-, Bowmore, Brora und Port Ellen).

      Glenturretsyndrom schrieb:

      dass man das Marketing nicht wahrnimmt, aber es ist halt nur für diesen Moment und für die ganz spezielle Leidenschaft irrelevant
      Wobei Jan ja auch nicht geschrieben hat, dass er in seinen frühen Whiskyjahren nicht auf (das damals noch wahrlich unterentwickelte) Marketing der Whiskybranche reingefallen ist. Auch Regale in Supermärkten wurden früher nicht wahrlos bestückt. Naja gut, vielleicht bei Tante Emma ihr Laden umme Ecke...
      Whisky-Journal - von, über und wegen Whisky

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      - SMWS 38.xxx (Caperdonich)
      - Caperdonich 24yo Whiskykanzler Uncollectable Collection
      Marketing kann auch abstoßen.
      Ich weiss - es gibt auch negative Werbung - Framing-Effekt usw. usw. (wobei ich mich gerade frage ob Gillette und Lidl tatsächlich mit ihren kürzlichen Marketingergüssen das so geplant haben)
      Meine ich aber nicht.
      Ich meine, dass wenn ich ein Produkt und seine Hauptvorteile für mich weit entfernt von dem sind, was das Marketing herausstellt und als Bild der Ware versucht in meinen Kopf zu hämmern, stößt mich das nur ab.
      So ergeht es mir leider zunehmend bei Werbung für Malt-Whisky. Beispiele seien hier nur Macallan und HP - man kann die Liste weiterführen.
      Sicher kommt jetzt wieder jemand und erzählt mir, weil ich nicht Zielgruppe bin hat die Marketingabteilung dadurch oder gerade dadurch ihr Ziel erreicht - Hauptsache ist, das der Umsatz steigt.
      Geschenkt ... manchmal ist es auch gut wenn man nicht Zielgruppe ist und lieber in der Gruppe der Jan's.
      ___Mortlach.de

      ____ „Kühner als das Unbekannte zu erforschen, kann es sein, das Bekannte zu bezweifeln.“ Alexander von Humboldt

      Wir alle seins Brüder,
      Wir alle seins gleich!
      @Stefan: Genau deswegen habe ich auch noch "für diesen Moment".
      Ich denke ja auch, dass ohne Whiskywerbung hier keiner seine Leidenschaft für den schottischen Lagerkorn so zum Ausdruck bringen würde wie wir es alle tun. Wie sonst, wenn nicht durch Marketing, wäre es zu erklären, dass wir den Ort der Herstellung eines solchen Genussproduktes eine so große Bedeutung zu ortnen?
      Oder wir einer Altersangabe als Qualitätsmerkmal hinterher beten? Und der größte Erfolg des Whiskymarketings ist natürlich der Preis, den wir bereit sind für diesen schlecht gebrannten Gerstenschnaps auszugeben...

      Highland Park 18 Jahre "Viking Pride" für 125 Euro... das macht realen Welt natürlich gar keinen Sinn.

      Aber er ist wirklich sehr sehr lecker, ich habe diesen in der Destillerie vorort für mich wiederentdeckt.
      Toll, da habe ich Jahre lang das blöde Wikinger-Marketing von HP ignoriert und konsequent nichts mehr von ihnen gekauft. Und vorort giießt mir da ein langhaariger vermeidlicher Nachfahre der Wikinger ein paar dieser Schnäpse ein (auch eine Form des Marketings, Mist) und ich bin wieder hin und weg. Meine wohl gepflegten Vorurteile gegenüber der Edrington Group zerflossen im Hirn zu einer wohlwollenden anerkennenden Wertschätzung. Sie können halt doch tolle Whiskys herstellen, diese Bäckerburschen. Einer meiner alt gehegten und pflegten Lieblingsdrams endlich wieder auf dem Markt. OK, HP 18 für 125 Euro bleibt natürlich trotzdem preislich ein Quatschprodukt.

      Wer bei HP 18 noch ausschert, darf sich natürlich gerne Unknown Speysider für 250, Springbank 25 für 500 Euro, Kilchomans für 80 Euro anschauen und sich fragen welches Marketing ihm hier das Geld aus der Tasche gezogen hat.... Moment auch sehr schön: sinnlos teure Grain Whiskys oder Iren... sehr schön.

      Nun ja, ich kaufe sehr viel Whisky und daher bin ich vielleicht dem Preis stärker abgetan als andere. Nehmen wir also lieber unser Marketingspecial: Altersangabe. Hui, 20 Jahre, ojo, 30 Jahre... Das ist ja ein feiner Tropfen. Das waren ja noch Zeiten. Mannomann... Vor 30 Jahren hat noch der Destilleriearbeiter zu "Pump up the jam" alleine durch die Destille getanzt und diesen Tropfen produziert, Wahnsinn, kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Heute ist ja alles automatisch. das waren noch Zeiten, diese gute alte Zeit. Damals wollte die ja gar kein Geld mit Whisky verdienen. Deswegen haben die sich beim Whiskyherstellen auch so eine Mühe gegeben... "Pump up the jam" - Ziemlich heiß an den Gärtrögen und keiner hat einem zugeschaut. Alles Handarbeit.

      Da ich zwar viel Whisky kaufe aber noch wesendlich mehr Whisky trinke, fällt mir gerade in den letzten 2 Jahren auf, dass diese Altersangaben auf so manchem Neureleases wirklich so gar nicht meinem Qualitätserwartungen entsprachen. Und das in jedem Preis- und Alterssegment.
      Immer schön Dram bleiben

      HamburgMalt schrieb:

      torfbombe schrieb:

      wärst Du erste, dem das gelingt.

      Das bin ich ganz sicher nicht. Ich kenne einige Herrschaften - auch und gerade hier im Forum -, auf die das in gleichem Maße zutrifft.
      Und glaub mir mal: Als PR-Mensch kann ich schon wirklich sehr gut einschätzen, wo ich für Marketing anfällig bin. Und wo nicht. Was vielleicht zusätzlich erklärt, warum ich mir in Sachen "null Chance" sicher bin.


      Also, nochmal: Jan bezog seine "Marktunanfälligkeit" auf das Whiskymarkt-Gedöns (mir fallen gerade "Snow Phönix" und Laubsägearbeiten von HP ein).
      Und da bin ich aber auch so was von unanfällig, "null Chance".
      Bei anderen Bereichen/Branchen/Produkten würde ich das nicht behaupten.
      Moin Allerseits,

      auch wenn es dem ein oder anderen nicht schmeckt, halte ich es für vollkommen ausgeschlossen, sich von Werbung nicht beeinflussen zu lassen. Das gilt natürlich auch für Whisky-Werbung. Selbstverständlich soll das nicht bedeuten, dass ich, sobald ich eine Werbung für einen bestimmten Whisky sehe, sofort kaufe, selbst wenn der nicht in mein Beuteschema passt. Oder auch nur einen mentalen Bedarf entwickle. Wenn ich aber nun Whisky A liebe und dann mit einer mich persönlich ansprechenden Werbung dafür konfrontiert werde, wird dieser Whisky vermutlich auf meiner gedanklichen Wunschliste eine höhere Position einnehmen, als Whisky B, den ich ebenfalls liebe, von dem ich aber länger nichts gehört habe.

      Natürlich kann das auch nach hinten losgehen, wenn man persönlich über eine bestimmte Werbung einen derartigen Brass entwickelt, dass man das beworbene Produkt niemals kaufen würde. Egal wie toll es denn nun sein mag.

      Nur meine Meinung,
      pikesandmalts
      Suche: Port Ellen, Old Train Line, Fettercairn, OTL, etc

      Wir alle sind Deutschland! (Jo Gauck)

      Toleranz ist die wichtigste Tugend einer jeden Gesellschaft! (eigene Meinung)

      pikesandmalts schrieb:

      Wenn ich aber nun Whisky A liebe und dann mit einer mich persönlich ansprechenden Werbung dafür konfrontiert werde, wird dieser Whisky vermutlich auf meiner gedanklichen Wunschliste eine höhere Position einnehmen, als Whisky B, den ich ebenfalls liebe, von dem ich aber länger nichts gehört habe.

      Wäre bei mir definitiv anders. Wenn aus zwei Destillen, die ich aufgrund von 25 Jahren Whisky-Genuss schätze, neue Abfüllungen mit interessanten Eckdaten erscheinen, werde ich sie beide probieren wollen. Ob für die Dinger geworben wird oder nicht, wäre mir scheißegal.
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      :flag:

      Da ich es gerade in einem anderen Beitrag geschrieben habe, auch hier meine persönliche Meinung:

      Ziel des Marketing ist es, dass gekauft wird. Ergo, Flasche gekauft, Ziel erreicht.

      Was dazwischen liegt und wenn es eine Selbsttäuschung über die Unbeeinflussbarkeit der eigene Meinungsfindung ist, kümmert das Marketing nicht. Denn woher weiß jemand, dass es eine Abfüllungen überhaupt gibt?

      Genau: Marketing!

      PS: Erneut herzlichen Dank für einen anregenden Artikel.
      The answer is 42!
      Wenn man aktives Mitglied dieses Forums ist und zudem auf Messen geht, bekommt man schon einen präzisen und ziemlich umfassenden Überblick über neue Abfüllungen. Eng betrachtet, sind natürlich auch Messestände Teil des Marketings, aber dich eher nicht in dem hier in diesem Thread gemeinten Sinne.

      Im Übrigen finde ich es weiterhin lustig, dass hier einige Strategen von sich selber auf die Allgemeinheit schließen. Macht das die Selbsterkenntnis erträglicher? Irgendeinen Grund wird es ja wohl haben...
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      :flag:

      Selbsttäuschung !?
      Ja ich gestehe - Marketing hat mich beeinflußt.
      Nachdem ich, startend mit den Laubsägearbeiten, die Marketingkampagnen von HP auf mich habe wirken lassen, hat mich das so stark beeinflußt, das ich keinen einzigen HP mehr gekauft habe.
      Nachdem ich, startend mit der Fine-Oak Serie (ja - ist schon lange her), die Marketingkampagnen von Macallan auf mich habe wirken lassen, hat mich das so stark beeinflußt, das ich keinen einzigen Macallan mehr gekauft habe.
      Liste könnte fortgesetzt werde.
      Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa - ja ich unterliege einer Selbsttäuschung.
      Ich lach mich schlapp.
      ___Mortlach.de

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