Mezcal: Sacapalabras San Martinero 47.17%

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      Mezcal: Sacapalabras San Martinero 47.17%

      Im Glas: Viele, eher breite, Kirchenfenster laufen vom Glas herunter. Deutet auf eine schöne Öligkeit hin.


      Geruch:
      Etwas süße Agave, leichter Rauch und sehe mineralisch/steinig kommt er daher. Ich meine, ein deutliches Quittenaroma zu riechen. Alkohol sticht nicht hervor, da wird vomeichten Rauch gut überdeckt. Der rauchige Lagerfeuergeruch wird übrigens mit der Zeit immer deutlicher. Das habe ich bei Whisky meist eher andersherum. Auch die typische Agavensüße wird ausgeprägter und geht dann zwischenzeitlich sehr ins steinige (wenn ich mich festlegen müsste dann würde ich sagen: nasser Granitstein). Ein durchaus Komplexes Wechselspiel in sehr verschiedene Richtungen.

      Zwischenspiel:
      Sieh an. Vor meinem ersten Schluck finde ich eine kleine Fruchtfliege am Rand meines Glases. Darf doch wohl nicht wahr sein... :D

      Geschmack:
      Kräftig, ölig und sehr von Lavendelseife-Noten geprägt ist der erste Schluck.von Frucht keine Spur. Das ist Mal so gar nicht meins. Der Alkohol ist spürbar, passt aber ganz gut da rein.
      Der zweite Schluck mit etwas Abstand beschert mir dann aber einen Geschmack im Mund, den ich als Lakritze mit Kräutermedizin. Kennt ihr den pflanzlichen Hustensaft von Aldi? So schmeckt das! Oder stopp, jetzt hab ichs. Der schmeckt nach Hochmoorgeist!!! Ja genau das ist es. Habe ich schon lange nicht mehr getrunken, aber das kommt dem ganzen hier schon sehr ähnlich. Dann kommt noch frisches Gras dazu (das von der Wiese, nicht das andere ;) )

      Abgang:
      Der Nachgeschmack ist recht lange und diese Hochmoorgeistnote gepaart mit etwas Lavendelseife bleibt am Gaumen haften.

      Fazit: sehr interessant und schräg. So kenne ich Mezcal definitiv noch nicht. Ich bin mir noch nicht sicher,ob ich den mag oder nicht. Tendenz ist aber eher Richtung "ich mag ihn".

      Vorerst :rauf: :rauf: (von 5 Daumen)
      WB-Whishlist: Klick


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Pauci“ ()

      Na da mache ich doch gleich mal mit :D

      San Martinero ist der in Santa Catarina Minas gebräuchliche Name für eine Agave der Karwinskii-Familie (wird immer 'Familie' genannt, ist aber wohl taxonomisch nicht korrekt). Teilweise bekommen die Agaven in Oaxaca sogar je nach Anbaugebiet unterschiedliche Namen - leider nicht immer eindeutig und vor allem auch nicht konsequent nachvollziehbar. Bei Mezcals findet man häufiger die Bezeichnung "Barril" anstatt "San Martinero", wobei es sich in den meisten Fällen aber wohl um die gleiche Agave handelt. Langwüchsig, aber mit dickerem Stamm, als zum Beispiel Cuixe, Madrecuixe, Larga oder Tobasiche - die mitunter alle zur Karwinskii-"Familie" gezählt werden.

      Ich finde in der Nase vergleichsweise nur leichten Rauch, dafür aber recht ausgeprägte mineralische Noten, dezent süße Frucht und frische Kräuter. Überraschend wenig 'dreckig' im Vergleich zu anderen Karwiniskii-Agavendestillaten. Insbesondere auch ohne Alkohol (Schluck in den Händen verreiben) kommen eher die vegetalen, kräutrigen Noten der Agave zum Vorschein, als die sonst häufig erdigen Aromen.

      Im Mund nehme ich zuerst die sehr weiche und ölige Struktur wahr, kein alkoholisches Brennen, sondern eher noch ein Hauch der fruchtigen Süße. Die verschwindet aber recht schnell und es geht - nur leicht rauchig - in Richtung bewachsener Kieselstein... also vegetal und mineralisch. Auch hier überraschend (für Karwiniskii-Agaven) wenig Erdigkeit. Auch beim zweiten Schluck habe ich zunächst die fruchtige Süße, fast etwas beeriges, dann nehmen aber bald wieder die mineralisch und vegetalen Noten überhand.
      Nach dem Lesen von Paucis Noten kann ich mir sogar einbilden, auch Lavendel zu finden.. aber gepaart mit einem Umami-Eindruck, Nuss und Soja. Witzig, wie ein anderes Mind-Set bei der Beschreibung die Wahrnehmung beeinflusst. Ich glaube ich bleibe bei "leicht fruchtig süß" ;)

      Der Abgang ist für mich dann wieder überwigend mineralisch - wie Kieselstein lutschen, wobei ein paar frische kräutrige Noten begleiten. Insbesondere nach 1-2 Minuten bleibt für mich ein frischer Eindruck von Minze oder Eukalyptus über, mit nur einem Hauch süßer Agave.

      Für mich einer der überraschendsten San Martinero / Barril / Karwinskii- Mezcals. Viel klarer und frischer. Könnte gut damit zu tun haben, dass bei der Ernte nicht alle Blätter ratzeputz abrasiert werden, sondern ein paar Zentimeter am Stamm bleiben. Leider gibt es gar nicht so viel Auswahl (und häufig auch keine Infos darüber), um den Einfluss mal wirklich schön testen zu können.