kleiner Reisebericht 2021

      kleiner Reisebericht 2021

      2020 hat es ja auch geklappt - warum also nicht auch dieses Jahr? Na gut, das Einarbeiten in die Einreisebedingungen und die Vorbereitungen dafür waren etwas lästig, vom Day 2 -Testkit über das home locator form bis zum PCR-Test vor der DFDS-Rückreise in Newcastle und zu der Quarantänerklärung für die Niederlande. Nach einem Besuch bei Freunden nördlich von Glasgow (...dort hatten wir dann auch die Testkits hin bestellt...) wollten wir eine Woche auf Islay verschnaufen und dann noch zwei Nächte in Campbeltown und drei Nächte in Edinburgh verbringen. Die zweite Oktoberhälfte hatte sich als Reisezeitraum ergeben und stellte sich als echte Übergangsperiode vom netten Herbst zum nassen Herbst heraus.

      Wie üblich waren wir früh losgefahren um vom Rheinland nach Ijmuiden zu kommen. Ohne A61 fuhren wir den Niederrhein entlang, mussten in Amsterdam noch ganz kurz einen speziellen Geocache einsammeln und waren wie üblich viel zu früh am Fährterminal. Wenig Reisende an Bord, keine Busse, keine Minikreuzfahrer, viele LKWs - alles sehr entspannt. Die Einreise in Newcastle war nicht anders als früher, Reisepass statt Ausweis war der einzige Unterschied.



      Da wir erst am frühen Nachmittag in Glasgow erwartet wurden, nutzten wir die Gelegenheit um endlich mal in Annandale vorbeizuschauen. Ohne Führung, aber mit einem ausgiebigem Sortimentsvergleich im Visitorcenterund einem entspanntem Einkehren im Cafe. Schön da, sehr ruhig und atmosphärisch. Wir wollten das mit dem Verzollen von Mitbringseln sowieso mal ausprobieren, also wanderte eine Flasche vom unpeated Bourboncask ins Gepäck. Ziemlich lecker, preislich sicherlich fragwürdig, aber wir wurden mit so viel Empathie und Freude begrüßt und bewirtet und informiert - das musste einfach sein...

      Bei unserern Freunden erwartete uns schon der Day 2 Test - ok, es hat sicher eine halbe Stunde gedauert bis wir ihn dann auch aktiviert hatten und wussten wie alles zu erfassen und auszufüllen ist, ab dann ging alles problemlos. Auch die Rückmeldungen kamen innerhalb von drei Tagen,das System funktioniert schon recht gut.



      Da wir die Nachmittagsfähre gebucht hatten wählten wir Route durch die Trossachs über Crianlarich und dann am Loch Awe entlang. Ich wollte diese schicken grünen Gummistiefel mit der Vibram Laufsohle mal anprobieren und gegebenfalls erwerben - also musste ich einfach beim Green Wally Stop vorbei...

      Islay 2020 war sehr ruhig, viel wie in Zeitlupe. Was für ein Unterschied zu 2021. Obwohl nicht so viele Touristen auf der Insel waren (...wir haben in der Tat keinen anderen deutschen Wagen gesehen...) war es irgendwie lebhaft. Überall schiessen neue Häuser aus der Erde, die Highroad hat einen neuen Strassenbelag, auch am Flughafen entlang wurde die Strasse neu gemacht und sogar die Baustelle vor Laphroaig ist verschwunden und die Straße bis Ardbeg neu. Sieht so aus, als ob nun möglichst viele noch ordentlich vom Boom profitieren wollen. Riesige Baustelle bei Farkin, eine sehr große Fläche wird dort verschwinden um einer neuen Schnapsfabrik Platz zu machen und endlich, lang ersehnt, gibt es auch bald eine Rumdestille in Port Ellen. Überall sind Handwerker unterwegs, anscheinend bereit sich die Insel darauf vor, endlich den großen Reibachzu machen.
      Schade.





      Nur bei Port Ellen hat sich nichts Sichtbares getan.

      Traditionsgemäß waren wir gleich am ersten Tag bei Lagavulin zum Warehouse Tasting mit Ian und dann noch zwei Stationen weiter. Der Trend zu den jüngeren Fässern hält an. Das 97er Fass geht dem Ende entgegen und soll dann wohldurch ein 2009er ersetzt werden. Einen Offermann Batch 1 habe ich mal probiert und mitgenommen (das Guinnessbatch war ganz schnell weg, nichts mehr da), das Special Release war auch im Glas (gut geworden), der 21er Jazz war noch nicht da.
      Laphroaig erinnert mich immer mehr an eine Highland Destille, die auch japanische Besitzer hat, Ben Nevis. Ich bin den Eindruck nicht los geworden, dass es doch ungepflegter, chaotischer und unordentlicher aussieht als vor ein paar Jahren. Was für ein Unterschied zu Ardbeg - dort große Umbaumaßnahmen um Visitorcenter und Kiln Cafe zu vergößern, dafür ein superschicker Ardbeg Foodtruck im Hof, der die Essensversorgung sicherstellte.



      Das neue Visitorcenter bei Bunnahabhain hat eine tolle Terrasse, die viele weisse Farbe Farbe tut der Distilleryansicht aber nicht gut, zumindest wenn man den Gefängnischarakter mochte. Bei Bowmore musste man schon den Eintritt ins Visitorcenter vorbuchen, aber wegen wenig Gästen kamen wir direkt rein als andere gerade zum Tor begleitet wurden. Die Bar hat zu, aber zu einem Dram auf der Terrasse haben wir uns dann doch gerne überreden lassen. Distillery only, sehr lecker, sehr teuer.

      Caol Ila ist noch Baustelle, Kilchoman wartet im riesigen neuen Visitorcenter wohl auf die Busladungen, ein kurzer Flight mit distillery only hinterliess keinen bleibenden Eindruck. Laddie lässt nur 8 Leute rein - nicht schlecht, damit ist es innen schön entspannt und man kann auch den einen oder anderen Schluck probieren. Das aktuelle PC Valinch musste mit, ich fand übrigens den Bere Barley auch wirklich gelungen

      Bei Ardnahoe haben wir uns ein Warehousetasting gegönnt und dann mal nach den Toms Fässern mit unserem Minianteil drin geschaut. Campbeltown 7, Orkney 11, Caol Ila 11, Bowmore 17 und Glenburgie 21. Wir waren die einzigen Teilnehmer und wurden von Tristan ausgiebig versorgt, das tröstet dann über den mangelnden Steinwand- und Lehmbodencharakter etwas hinweg. Der Glenburgie war besonders fein.

      Auch wenn die Regale ab und zu etwas mehr Lücken aufwiesen gab es keine echten Versorgungsmängel. Im Port Charlotte Hotel gibt es kein Mittagessen mehr, weil die Servicekräfte fehlen, rechtzeitig buchen ist wirklich angesagt, wenn man essen gehen möchte. Durch Corona war es wohl das ganze Jahr hindurch auf Islay voll mit Touristen aus UK. Sehr viele Familien, die auch länger blieben, deutlich weniger Kurzzeit-Whiskybesucher. Wir haben mehrfach das Feedback bekommen, dass das sehr positiv wahrgenommen wurde, dazu kam natürlich noch das sehr gute Sommerwetter. Wenn die jetzt alle wiederkommen wollen und die Whiskynerds auch wieder einfallen - dann könnte es aber eng werden...



      Das Wetter war schön, viele Gänse aus Grönland waren schon da und haben uns erfreut. Ein schöner Anblick! Ein bischen waren wir am Strand und haben kleinere Wanderungen unternommen, aber nichts Spektakuläres. Uns sind sehr viele Highland Cattle aufgefallen, mehr als in den letzten Jahren.
      Immer wieder nett die Viecher...



      Die Farben der Landschaft waren herrlich, der braun gewordene, aber noch hochstehende Bracken mit dem letzten Sommergrün gibt der ganzen Insel einen wirklich schönen Anblick. Eine ganze Insel, sorgfältig eingepackt in die Farben des Laphroaig Tartans.







      Mit etwas zwiespältigen Gefühlen ging es wieder zurück aufs Festland. Wenn der Trend sich verstetigt, wird es in ein paar Jahren die Insel nicht mehr so geben, wie wir sie immer mochten. Wir haben viele Kontakte, teilweise Freundschaften dort, die wir gerne behalten und pflegen möchten. Aber ob wir noch regelmässig zurückkehren werden, wenn es so weiter "aufwärts" geht?

      Wieder auf dem Festland sind wir an der Ostseite von Kityre nach Campbeltown gefahren. Die Strecke hatten wir bisher erst einmal bei 100m Sicht und Dauerregen zurückgelegt. Diesmal gab es nur Schauer mit Sonne zwischendurch und wir konnten auch mal Skipness Castle (Seefood Cabin macht im Mai wieder auf) und Carradale einen Besuch abstatten und sogar Arran und Ailsa Craig erspähen. Irgendwie spukt mir immer noch der Kintyre Way im Kopf herum, das muß schon schön (einsam) sein...

      Diesmal hatte auch Glen Scotia offen, aber nur das Visitorcenter. Wir waren schnell durch und haben nichts mitgenommen. Der Cage bei Cadenheads ist ins Springbank Visitor Center umgezogen und es gibt "strictly just one bottle per person". Einmal am Tag wird aufgefüllt und eine Flasche 17+ Jahre kostet nun 175 Pfündchen... Gabs aber sowieso nicht mehr, wir hatten Glück dass wir noch einen Springbank 8 fresh bourbon und einen Springbank 10 fresh sherry mitnehmen konnten. Beim Warehouse Tasting sind dann noch ein 18er Glenfarclas und ein Glen Elgin mitgekommen. Wir waren zu dritt dort und wurden von Cameron McGeachy (General Manager vonCadenheads) betreut. Das erste Mal, dass ich bei einem Warehouse Tasting einen Host im perfekten Business Anzug hatte. Er hat uns sehr gut unterhalten! Abends haben wir uns im Ardshield Inn verköstigt, die Bar genossen und uns prächtig mit dem Bruichladdich Osteuropa Importeur bei ein paar Springbank Abfüllungen unterhalten.

      Auf dem Weg nach Edinburgh merkten wir dann, dass da doch schon sehr viel Regen heruntergekommen war die letzten Tage, wenn auch nicht ganz im Westen. Mehrere Male mussten wir auf der Strasse ganz rechts die mehr als 40cm tiefen Seen auf der Strasse umfahren. Und die Wassermengen die am Strassenrand flossen oder die Böschungen heruntersprudelten waren auch wirklich beeindruckend. Trotzdem konnten wir den Rest and be Thankful problemlos passieren - und dann haben wir uns noch zwei Tage Edinburgh gegönnt. Ein bischen Shopping, ein bischen Kultur, einfach hierhin und dorthin. Dank Forumtipp waren wir im Tantallonplace bei Mikeund Ann. Sehr schön, das war ein guter Tipp!

      Auf dem Rückweg bereiteten wir uns dann schon mal auf die Verzollung vor. Mit einem schönen Excel hatten wir zusammengestellt, dass wir ca. 4 Liter reinen Alkohol zu verzollen hätten. Leider waren wir fast das letzte Auto, dass die Fähre in Ijmuiden verlassen konnte und wir fürchteten schon viel Zeit zu verlieren.

      Es kam zu folgendem Dialog:

      "Gute Fahrt..."
      - "Aber wir haben etwas zu verzollen..."
      "Was möchten sie denn anmelden?"
      - "Wir haben Whisky gekauft und zwar mehr als die Freimenge"
      "Wieviel denn?"
      - "Vier Liter"
      "Das passt heute schon, gute Fahrt..."

      ...und so konnten wir leider doch kein Erfahrung mit dem Verzollen von flüssigen Reisemitbringseln sammeln...

      berneray schrieb:

      Durch Corona war es wohl das ganze Jahr hindurch auf Islay voll mit Touristen aus UK. Sehr viele Familien, die auch länger blieben, deutlich weniger Kurzzeit-Whiskybesucher.

      Back to the 60s :)
      Ansonsten Danke für das spontane Fernweh :dude:
      Whisky-Journal - von, über und wegen Whisky

      Suche:
      - SMWS 38.xxx (Caperdonich)
      - Caperdonich 24yo Whiskykanzler Uncollectable Collection
      - Caperdonich 36yo Douglas Laing Cask DL4945 und Cask DL4947
      Danke für den super Bericht,

      das Fernweh wird stärker, deine Befürchtung um Islay kann ich absolut nachvollziehen.
      Ardbeg vs.Laphroaig liegt bei mir Laphi, vorne.
      1. Der Stoff ist geiler
      2. Mir gefällt der Shop, es muss nicht alles so piekfein sein. Da ist auch noch Laddie gut dabei.
      Bei Lapjhroaig wars immer schön, nette Gespräche, gute Malte und eine gute Auswahl.
      Aber jeder empfindet das anders, was auch richtig ist.
      Schön dass ihr noch was bei Cad bekommen habt.

      Nochmals Danke für die Mühe und den kurzweiligen und informativen Text

      Heinz
      ...das ändert sich ja auch häufiger, als wir Mitte Oktober (über die Niederlande) fuhren war es so (für Geimpfte)

      Hinweg:
      - kein Test in Deutschland
      - für die Niederlande musste man eine "Quarantänebescheinigung" dabeihaben, kurzes Formblatt dass keine Qurantänepflicht besteht weil man geimpft ist
      - für UK muß man ein "home locator form" ausfüllen. Sehr umständlich, wo man die ersten 10 Tage ist, je mit Adresse etc. Auch umständlich auszufüllen, muß man halt durch. Außerdem muß dort die Buchungsnummer (ein Pflichteintrag) betreffend des "Day 2" Tests eingetragen werden
      - Day 2 - Test: es gibt sehr viele Anbieter dafür, mit unterschiedlichem Vorgehen. Am einfachsten ist sicher einer, der die Test-Kits für einen Self PCT Test mit der Post verschickt - und die man dann auch einfach über eine Priority Postbox wieder loswird. Nur ergänzend, es gibt wohl auch Anbieter, die einen Kurierfahrer vorbeischicken der wartet (...im Grossraum London...), oder man geht in eine Booth-Filiale o.ä. Auch an Flughäfen gibt es wohl Anlaufstationen.
      Prinzip: Einreisetag ist Tag 0. Im Zeitraum Tag 0 - Tag 2 muß man einen Selbsttest machen und zurückschicken. Was passiert, wenn dieser positiv ausfallen sollte weiss ich nicht ;-)

      Rückweg
      - Quarantäneformular für die Niederlande
      - zusätzlich ein Test eines geeigneten Testcenters 24h vor Einreise in die Niederlande. Wir hatten das vorher im Fährterminal Newcastle gebucht, das bietet sich sicher an bei Nutzung DFDS
      - für Deutschland Einreiseanmeldung einfach online über Portal

      Wir sind über die DFDS Seiten eingestiegen und haben uns dann auf den dort angebotenen Links vor- und durchgearbeitet....

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