Glenfyne
Ardrishaig, Argyll and Bute, Schottland
1831 - 1937 (?)
Auch bekannt als Glengilp und Glendarroch
Die frühen Jahre
Den Quellen nach, insbesondere nach Brian Townsend, wurde die Brennerei von Henry Hoey im Jahr 1831 als Glenfyne gegründet, genauer gesagt als Henry Hoey & Co.’s Glenfyne Distillery. Sie entstand nördlich von Ardrishaig am Crinan Canal. Im Jahr 1837 findet sich jedoch auch bereits ein erster Hinweis auf den Namen Glengilp. Über die ersten Jahre ist ansonsten nicht viel bekannt. Und im Nachhinein bin ich ganz dankbar...
Um 1852 übernahm sie Peter McNee, spätestens er verpasste ihr den Namen Glengilp. Nach seinem Tod im Jahr 1855 stand die Brennerei zum Verkauf. Beworben wurde ein guter Kai sowie die Dampfschiffverbindung nach Glasgow. Weiter heißt es in der Verkaufsanzeige: Die Brennei Glengilp ist in vollständig betriebsfähigem Zustand, verfügt über eine reichliche Wasserversorgung, ein Recht zum Torfstechen und sei in der Lage, wöchentlich 1.000 Gallonen Malt Whisky herzustellen. Dazu gehören weitere Gebäude, darunter ein Sägewerk, eine Mühle, Ställe sowie ein Wohnhaus mit Speisezimmer, Salon, Küche und fünf Schlafzimmern. Zudem umfasst das Anwesen 11 Acres Land.
Wir haben 1852 und merken uns mal die 1.000 Gallonen.
William Hay übernahm die Brennerei ca. 1857 und betrieb die Glengilp Distillery in den Folgejahren. Laut Brian Townsend führte William Hay Junior die Brennerei nach dem Tod des Vaters 1869 fort, bevor er sie später an William Smyth verkaufte.
Vorher erfahren wir noch aus einer sehr traurigen Meldung, dass der Betriebsleiter der Brennerei im Jahr 1864 ein gewisser Mr. George Stephen war, der vorher bereits bei Carsebridge tätig war. Seine Kinder spielten mit einem geladenen Gewehr, die sechsjährige Annie Jane verlor dabei ihr Leben. Die traurige Nachricht wurde in den zwei darauf folgenden Wochen in über 30 Tageszeitungen abgedruckt.
Bevor ich in der Geschichte fortführe, ein Blick auf die Karte. Sie zeigt Glengilp im Jahr 1867.
Laut Brian Townsend und seinem Werk „Scotch Missed“ erwarb William Smyth die Brennerei 1870, das passt aber nicht ganz zur Archivlage.
Eine Verkaufsanzeige von William Hay Junior erscheint am 23. Oktober 1871. Durch diese erfahren wir wieder einmal den Zustand der damaligen Brennerei, scheinbar war ein vorheriger Versuch erfolglos, denn der Preis wurde herabgesetzt und der Verkauf wird im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung angekündigt, welche dann am 25. Oktober 1871 um zwei Uhr nachmittags in der Faculty Hall, St. Georges Place in Glasgow stattfinden soll. Angeboten wird die komplett betriebsfähige Brennerei, die nun bereits eine wöchentliche Produktion von 3.500 Gallonen Malt Whisky vorweisen kann. Folgender Satz ist hier besonders spannend: „This Distillery has all been rebuilt within the last seven years“, denn dieser ist zumindest ein Hinweis darauf, dass die Brennerei nicht nur erweitert, sondern in der Tat, vielleicht nach und nach, neu errichtet wurde. Zum Erwerb sind auch Wohnhäuser für den Betriebsleiter, die Steuerbeamten sowie die Arbeiter inkludiert. Der lagernde Whisky muss nach Wertermittlung extra erworben werden. Im März 1872 steht die Brennerei immer noch zum Verkauf, diesmal mit dem Hinweis, dass auch eine Pacht möglich wäre.
Eine eidesstattliche Aussage des besagten William Smyth aus dem Jahr 1878 lässt die vergangen Jahre gut rekonstruieren. Offensichtlich ist er wirtschaftlich gescheitert und musste Konkurs anmelden. Dem Bericht ist folgendes zu entnehmen:
Im Januar 1873 kauft William Smyth die Glengilp Distillery von den „Trustees“ des verstorbenen William Hayes für £5.000. Davon finanziert er £4.000 über die Commercial Bank und £1.000 aus eigenen Mitteln. Smyth betreibt Glengilp bis einschließlich 1876 selbst. In dieser Zeit steckt er weitere £2.000 in „additions and alterations and new plant“ – also Erweiterungen, Umbauten und neue technische Ausstattung.
Im September 1876 verkauft Smyth dann Glengilp für £7.000 an Mr. Fairman. Der Verkauf scheitert jedoch praktisch an der Finanzierung und wird rückgängig gemacht. Smyth sagt ausdrücklich, dass ihm diese Rückübertragung „serious loss“ – erhebliche Verluste – verursacht habe. Anschließend wird eine andere Konstruktion gewählt: Fairman pachtet Glengilp von Smyth für zehn Jahre zu £575 jährlich. Auch dieses Arrangement endet bereits nach ungefähr einem Jahr im Oktober 1877. Als Grund nennt Smyth Fairmans schlechten Gesundheitszustand und dessen Entscheidung, die Brennerei nicht länger als Pächter zu betreiben. Seit Oktober 1877 befindet sich Glengilp wieder unmittelbar in Smyths Besitz und er muss in die Insolvenz.
Spannend ist hierbei noch die durchgehende Verwendung des Namens „Glengilp“, denn den meisten Quellen nach hat Smyth die Brennerei in Glendarroch umbenannt. Das ist offensichtlich falsch.
In Folge der Abwicklung geht die Brennerei um das Jahr 1880 an Mr. D. Kemp & Company und im März 1881 erwirbt sie dann William Gillies. Und spätestens unter diesem erhält sie dann tatsächlich den Namen „Glendarroch Distillery“.
Und warum lag Brian Townsend in seinem Buch „Scotch Missed“ falsch? Vielleicht kann ich auch das aufklären: Im Jahr 1873 erwarb Smyth die Brennerei, im selben Jahr wurde eine Glendarroch Distillery Co. gegründet und mit einem Aktienkapital von £60.000 ausgestattet. Allerdings stand diese nicht in Verbindung mit Smyth. Das Ziel des Unternehmens war die Errichtung einer neuen Brennerei in Ardnadam am „Holy Loch“, nach heutigen Verhältnissen ca. 42 Meilen von der hier beschriebenen Brennerei entfernt.
An dieser Stelle mache ich eine Pause - denn als nächstes kommt der Bericht von Alfred Barnard und irgendwann später heißt die Brennerei Glenfyne alias Glengilb alias Glendarroch dann endlich wieder Glenfyne.
Ardrishaig, Argyll and Bute, Schottland
1831 - 1937 (?)
Auch bekannt als Glengilp und Glendarroch
Die frühen Jahre
Den Quellen nach, insbesondere nach Brian Townsend, wurde die Brennerei von Henry Hoey im Jahr 1831 als Glenfyne gegründet, genauer gesagt als Henry Hoey & Co.’s Glenfyne Distillery. Sie entstand nördlich von Ardrishaig am Crinan Canal. Im Jahr 1837 findet sich jedoch auch bereits ein erster Hinweis auf den Namen Glengilp. Über die ersten Jahre ist ansonsten nicht viel bekannt. Und im Nachhinein bin ich ganz dankbar...
Um 1852 übernahm sie Peter McNee, spätestens er verpasste ihr den Namen Glengilp. Nach seinem Tod im Jahr 1855 stand die Brennerei zum Verkauf. Beworben wurde ein guter Kai sowie die Dampfschiffverbindung nach Glasgow. Weiter heißt es in der Verkaufsanzeige: Die Brennei Glengilp ist in vollständig betriebsfähigem Zustand, verfügt über eine reichliche Wasserversorgung, ein Recht zum Torfstechen und sei in der Lage, wöchentlich 1.000 Gallonen Malt Whisky herzustellen. Dazu gehören weitere Gebäude, darunter ein Sägewerk, eine Mühle, Ställe sowie ein Wohnhaus mit Speisezimmer, Salon, Küche und fünf Schlafzimmern. Zudem umfasst das Anwesen 11 Acres Land.
Wir haben 1852 und merken uns mal die 1.000 Gallonen.
William Hay übernahm die Brennerei ca. 1857 und betrieb die Glengilp Distillery in den Folgejahren. Laut Brian Townsend führte William Hay Junior die Brennerei nach dem Tod des Vaters 1869 fort, bevor er sie später an William Smyth verkaufte.
Vorher erfahren wir noch aus einer sehr traurigen Meldung, dass der Betriebsleiter der Brennerei im Jahr 1864 ein gewisser Mr. George Stephen war, der vorher bereits bei Carsebridge tätig war. Seine Kinder spielten mit einem geladenen Gewehr, die sechsjährige Annie Jane verlor dabei ihr Leben. Die traurige Nachricht wurde in den zwei darauf folgenden Wochen in über 30 Tageszeitungen abgedruckt.
Bevor ich in der Geschichte fortführe, ein Blick auf die Karte. Sie zeigt Glengilp im Jahr 1867.
Laut Brian Townsend und seinem Werk „Scotch Missed“ erwarb William Smyth die Brennerei 1870, das passt aber nicht ganz zur Archivlage.
Eine Verkaufsanzeige von William Hay Junior erscheint am 23. Oktober 1871. Durch diese erfahren wir wieder einmal den Zustand der damaligen Brennerei, scheinbar war ein vorheriger Versuch erfolglos, denn der Preis wurde herabgesetzt und der Verkauf wird im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung angekündigt, welche dann am 25. Oktober 1871 um zwei Uhr nachmittags in der Faculty Hall, St. Georges Place in Glasgow stattfinden soll. Angeboten wird die komplett betriebsfähige Brennerei, die nun bereits eine wöchentliche Produktion von 3.500 Gallonen Malt Whisky vorweisen kann. Folgender Satz ist hier besonders spannend: „This Distillery has all been rebuilt within the last seven years“, denn dieser ist zumindest ein Hinweis darauf, dass die Brennerei nicht nur erweitert, sondern in der Tat, vielleicht nach und nach, neu errichtet wurde. Zum Erwerb sind auch Wohnhäuser für den Betriebsleiter, die Steuerbeamten sowie die Arbeiter inkludiert. Der lagernde Whisky muss nach Wertermittlung extra erworben werden. Im März 1872 steht die Brennerei immer noch zum Verkauf, diesmal mit dem Hinweis, dass auch eine Pacht möglich wäre.
Eine eidesstattliche Aussage des besagten William Smyth aus dem Jahr 1878 lässt die vergangen Jahre gut rekonstruieren. Offensichtlich ist er wirtschaftlich gescheitert und musste Konkurs anmelden. Dem Bericht ist folgendes zu entnehmen:
Im Januar 1873 kauft William Smyth die Glengilp Distillery von den „Trustees“ des verstorbenen William Hayes für £5.000. Davon finanziert er £4.000 über die Commercial Bank und £1.000 aus eigenen Mitteln. Smyth betreibt Glengilp bis einschließlich 1876 selbst. In dieser Zeit steckt er weitere £2.000 in „additions and alterations and new plant“ – also Erweiterungen, Umbauten und neue technische Ausstattung.
Im September 1876 verkauft Smyth dann Glengilp für £7.000 an Mr. Fairman. Der Verkauf scheitert jedoch praktisch an der Finanzierung und wird rückgängig gemacht. Smyth sagt ausdrücklich, dass ihm diese Rückübertragung „serious loss“ – erhebliche Verluste – verursacht habe. Anschließend wird eine andere Konstruktion gewählt: Fairman pachtet Glengilp von Smyth für zehn Jahre zu £575 jährlich. Auch dieses Arrangement endet bereits nach ungefähr einem Jahr im Oktober 1877. Als Grund nennt Smyth Fairmans schlechten Gesundheitszustand und dessen Entscheidung, die Brennerei nicht länger als Pächter zu betreiben. Seit Oktober 1877 befindet sich Glengilp wieder unmittelbar in Smyths Besitz und er muss in die Insolvenz.
Spannend ist hierbei noch die durchgehende Verwendung des Namens „Glengilp“, denn den meisten Quellen nach hat Smyth die Brennerei in Glendarroch umbenannt. Das ist offensichtlich falsch.
In Folge der Abwicklung geht die Brennerei um das Jahr 1880 an Mr. D. Kemp & Company und im März 1881 erwirbt sie dann William Gillies. Und spätestens unter diesem erhält sie dann tatsächlich den Namen „Glendarroch Distillery“.
Und warum lag Brian Townsend in seinem Buch „Scotch Missed“ falsch? Vielleicht kann ich auch das aufklären: Im Jahr 1873 erwarb Smyth die Brennerei, im selben Jahr wurde eine Glendarroch Distillery Co. gegründet und mit einem Aktienkapital von £60.000 ausgestattet. Allerdings stand diese nicht in Verbindung mit Smyth. Das Ziel des Unternehmens war die Errichtung einer neuen Brennerei in Ardnadam am „Holy Loch“, nach heutigen Verhältnissen ca. 42 Meilen von der hier beschriebenen Brennerei entfernt.
An dieser Stelle mache ich eine Pause - denn als nächstes kommt der Bericht von Alfred Barnard und irgendwann später heißt die Brennerei Glenfyne alias Glengilb alias Glendarroch dann endlich wieder Glenfyne.
Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „notesofmalt“ ()